Bewertung:

Das Buch bietet eine eingehende Analyse des formalistischen und realistischen Filmschaffens im chinesischen Kino und integriert dabei Perspektiven des Konfuzianismus und des Feminismus. Die Autorin untersucht fünf Filme und bezieht dabei philosophische und psychologische Konzepte mit ein, was die Diskussion reichhaltig, aber für Leser, die mit den referenzierten Werken nicht vertraut sind, gelegentlich schwierig macht.
Vorteile:Die tiefgründige Analyse des chinesischen Kinos, die Integration von Konfuzianismus und Feminismus, nützliche Illustrationen aus den Filmen, der ansprechende Schreibstil, die wissenschaftlichen Erkenntnisse und die Interpretationen des Autors können zum Nachdenken und zur Diskussion anregen.
Nachteile:Erfordert Vertrautheit mit komplexen philosophischen Texten, kann ohne Vorkenntnisse anspruchsvoll sein, einige Interpretationen sind möglicherweise nicht für alle Leser geeignet, gelegentlich müssen externe Quellen wie Fußnoten oder Wikipedia herangezogen werden.
(basierend auf 2 Leserbewertungen)
Close-Ups and Long Shots in Modern Chinese Cinemas
Zwei der stilisiertesten Einstellungen des Kinos - die Nahaufnahme und die Totale - üben einen besonderen Reiz aus. Die Ikonizität der Nahaufnahme verstärkt die affektive Kraft von Gesichtern und erhebt den Film in den Diskurs der Kunst. Die Tiefe der Totale hingegen verweist auf die Fakten des Lebens und stärkt unseren Glauben an die Realität. Beide gestalten das Verhältnis zwischen Bild und Distanz, das die Seh-, Fühl- und Vorstellungskraft des Zuschauers erweitert.
Um zu verstehen, warum ein Regisseur eine bestimmte Art von Einstellung der anderen vorzieht, muss man mehr als nur die Ästhetik erforschen: Es deckt wichtige Annahmen über den Film als Kunst der Intervention oder der organischen Darstellung auf. Close-ups and Long Shots in Modern Chinese Cinemas ist das erste Buch, das diese beiden Einstellungen mit den kulturellen, historischen und filmischen Traditionen vergleicht, die sie hervorgebracht haben. Insbesondere die weltweite Wiederbelebung der konfuzianischen Studien und die transnationale Anziehungskraft des Feminismus in den 1980er Jahren markierten eine neue Wende in der kulturellen Bildung chinesischer Regisseure, deren Einstellungen nicht nur als stilistische Ausdrucksformen, sondern auch als ethische Entscheidungen angesehen werden können, die auf etablierte Normen über Selbstbeschränkung, Ritualismus, Anstand und weibliche Handlungsfähigkeit reagieren.
Jeder der besprochenen Filme - Zhang Yimous Red Sorghum, Ang Lees Lust, Caution, Hou Hsiao-Hsiens The Assassin, Jia Zhangkes I Wish I Knew und Wei Deshengs Cape No. 7 - stellt einen Wendepunkt im chinesischen Kino dar, der die sich entwickelnden Beziehungen zwischen Film, Politik und Ethik neu definiert. Zusammen bieten diese Werke ein umfassendes Bild davon, wie Regisseure Nah- und Totalen in einer Weise kontextualisieren, die sie in vielen Filmen als Wegweiser des sozialen Wandels interpretierbar macht.