Bewertung:

Das Buch untersucht die Debatte zwischen formalistischem und realistischem Filmschaffen im Kontext des chinesischen Kinos unter Einbeziehung von Konfuzianismus und Feminismus. Es analysiert Szenen aus fünf chinesischen Filmen und stellt Verbindungen zu philosophischen und psychologischen Konzepten her, während es gleichzeitig eine detaillierte Kritik sowohl der Filme als auch ihrer Romanvorlagen bietet.
Vorteile:⬤ Gut geschrieben und fesselnd
⬤ bietet eine tiefgreifende Analyse chinesischer Filme und ihrer Verfilmungen
⬤ bezieht philosophische und feministische Perspektiven ein
⬤ enthält nützliche Illustrationen
⬤ verbessert das Verständnis von Filmtechniken
⬤ bietet wertvolle wissenschaftliche Referenzen.
⬤ Erfordert Vertrautheit mit komplexen akademischen Konzepten und Zahlen
⬤ einige Interpretationen können unklar oder nicht überzeugend wirken
⬤ stark mit akademischen Zitaten gespickt, was die Lesbarkeit beeinträchtigen kann.
(basierend auf 2 Leserbewertungen)
Close-Ups and Long Shots in Modern Chinese Cinemas
Zwei der stilisiertesten Einstellungen des Kinos - die Nahaufnahme und die Totale - üben einen besonderen Reiz aus. Die Ikonizität der Nahaufnahme verstärkt die affektive Kraft von Gesichtern und erhebt den Film in den Diskurs der Kunst. Die Tiefe der Totale hingegen verweist auf die Fakten des Lebens und stärkt unseren Glauben an die Realität. Beide gestalten das Verhältnis zwischen Bild und Distanz, das die Seh-, Fühl- und Vorstellungskraft des Zuschauers erweitert.
Um zu verstehen, warum ein Regisseur eine bestimmte Art von Einstellung der anderen vorzieht, muss man mehr als nur die Ästhetik erforschen: Es deckt wichtige Annahmen über den Film als Kunst der Intervention oder der organischen Darstellung auf. Close-ups and Long Shots in Modern Chinese Cinemas ist das erste Buch, das diese beiden Einstellungen mit den kulturellen, historischen und filmischen Traditionen vergleicht, die sie hervorgebracht haben. Insbesondere die weltweite Wiederbelebung der konfuzianischen Studien und die transnationale Anziehungskraft des Feminismus in den 1980er Jahren markierten eine neue Wende in der kulturellen Bildung chinesischer Regisseure, deren Einstellungen nicht nur als stilistische Ausdrucksformen, sondern auch als ethische Entscheidungen angesehen werden können, die auf etablierte Normen über Selbstbeschränkung, Ritualismus, Anstand und weibliche Handlungsfähigkeit reagieren.
Jeder der besprochenen Filme - Zhang Yimous Red Sorghum, Ang Lees Lust, Caution, Hou Hsiao-Hsiens The Assassin, Jia Zhangkes I Wish I Knew und Wei Deshengs Cape No. 7 - stellt einen Wendepunkt im chinesischen Kino dar, der die sich entwickelnden Beziehungen zwischen Film, Politik und Ethik neu definiert. Zusammen bieten diese Werke ein umfassendes Bild davon, wie Regisseure Nah- und Totalen in einer Weise kontextualisieren, die sie in vielen Filmen als Wegweiser des sozialen Wandels interpretierbar macht.