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Natures in Translation: Romanticism and Colonial Natural History
Für viele Kritiker ist die Romantik gleichbedeutend mit dem Schreiben über die Natur, denn die Darstellungen der natürlichen Welt erscheinen in dieser Zeit mit einer Frische, Konkretheit, Tiefe und Intensität, die nur selten erreicht werden. Warum war die Natur für die Schriftsteller des späten achtzehnten und frühen neunzehnten Jahrhunderts von so großer Bedeutung? Und warum spielte sie eine so wichtige Rolle für ihr Selbst- und Weltverständnis?
In Natures in Translation argumentiert Alan Bewell, dass es keine Natur im Singular gibt, sondern nur Naturen, die sich im Laufe der Zeit und über den Raum hinweg verändert haben. Er untersucht, wie Schriftsteller - so unterschiedliche wie Erasmus und Charles Darwin, Joseph Banks, Gilbert White, William Bartram, William Wordsworth, John Clare und Mary Shelley - eine Welt verstanden haben, in der die Natur den Globus wie nie zuvor bereiste und neu besiedelte. Bewell stellt die britische Naturgeschichte als eine Übersetzungsaktivität dar, die darauf abzielte, lokale Naturen zu globalisieren, indem sie sie mobil, austauschbar, vergleichbar und repräsentierbar machte.
Bewell untersucht, wie koloniale Schriftsteller in der Zeit vor der Formulierung der Evolutionstheorie auf eine Welt reagierten, in der neue Naturen entstanden, während andere verschwanden. Für einige dieser Autoren versprach die koloniale Naturgeschichte die Einführung einer "kosmopolitischen" Natur, in der jede Spezies durch Handel und Austausch zu einem wahren "Weltbürger" werden könnte. Andere kämpften mit der Frage, wie sie leben sollten, nachdem die Natur, auf die sie angewiesen waren, verschwunden war. Letztlich zeigt Natures in Translation, dass die Natur - weit davon entfernt, von den vorherrschenden Anliegen der britischen imperialen Kultur getrennt zu sein - untrennbar mit dem Geschäft des Empires verbunden war.