
Paul's Interlocutor in Romans 2
Thorsteinssons Studie über den Römerbrief stellt eine gründlich argumentierte Herausforderung für die Paulusforschung dar. Seine Argumentation hat das Potenzial, die Lesart von Römer 2 zu entkräften, die dazu beigetragen hat, dass Paulus als äußerst negativ gegenüber seinen jüdischen Mitbürgern und dem Judentum des ersten Jahrhunderts wahrgenommen wird.
Zu den Fragen, über die sich die Gelehrten streiten, gehören die Funktion und die Identität von Paulus' Gesprächspartner(n) in Kapitel 2 des Römerbriefs. Die Gelehrten sind sich einig, dass es sich bei der Person, die in 2,17-29 angesprochen wird, um einen Juden handelt, aber über die Identität des Gesprächspartners in 2,1-5 herrscht keine Einigkeit. Die Mehrheit der Gelehrten ist der Ansicht, dass der Gesprächspartner im gesamten Kapitel ein Jude ist.
Eine gewichtige Minderheit argumentiert, dass die in 2,1-5 angesprochene Person ein Heide ist und dass in 2,17 der Gesprächspartner wechselt.
In seiner Untersuchung der Vor- und Nachteile dieser Positionen bemüht sich Thorsteinsson, sowohl die Mehrheit als auch die Minderheit herauszufordern. Grundlegend für seinen Ansatz ist es, den größeren Kontext und Rahmen des Briefes als Hilfe bei der Beurteilung der Funktion und Identität von Paulus' Gesprächspartner(n) zu betrachten.
So werden die briefliche Struktur und der Rahmen des Römerbriefs, die Beziehung zwischen Paulus und seinen Zuhörern, die Identität der Zuhörer und der dialogische Stil des Briefs herangezogen, um die Funktion und Identität von Paulus' Gesprächspartner(n) in Römer 2 zu bestimmen. Indem er einen imaginären Gesprächspartner einbezieht, bedient sich Paulus einer in der griechisch-römischen Antike gut etablierten Brieftechnik. Thorsteinsson kommt zu dem Schluss, dass Paulus den Römerbrief an eine bestimmte Gruppe von Menschen in einer bestimmten, zeitnahen Situation schrieb.
Die Botschaft des Briefes entstehe aus der missionarischen Verpflichtung des Paulus, den Heiden in Rom die gute Nachricht Gottes zu verkünden. Die Minderheitsmeinung, dass es sich bei Paulus' Gesprächspartner in 2,1-5 um einen Heiden handelt, wird mit der Mehrheitsmeinung kombiniert, dass es im gesamten Kapitel nur einen Gesprächspartner gibt. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die gängige Meinung, Römer 2 enthalte die scharfe Kritik des Paulus an seinem jüdischen Mitbürger, abzulehnen ist.
Die Person, die in diesem Kapitel getadelt wird, ist kein Jude, sondern ein Nichtjude, der behauptet, Jude zu sein.