Bewertung:

John Bews Buch über Realpolitik ist eher eine Sprach- und Geistesgeschichte des Begriffs als eine herkömmliche historische Darstellung politischer Ereignisse. Es befasst sich mit der Entwicklung des Konzepts und seinen Auswirkungen auf die heutige Politik und stellt Verbindungen zwischen den Ursprüngen im 19. Jahrhundert und der modernen Außenpolitik her.
Vorteile:Das Buch ist gut recherchiert, fesselnd und zugänglich und macht komplexe Konzepte leicht verständlich. Viele Leser lobten die gute Lesbarkeit, die aufschlussreiche Analyse und die Fähigkeit des Autors, sich mit dem schwierigen Thema der Geschichte einer Idee auseinanderzusetzen. Es bietet eine faszinierende Erkundung der Art und Weise, wie die Realpolitik die internationalen Beziehungen geprägt hat, und liefert eine neue Perspektive auf aktuelle politische Strategien.
Nachteile:Einige Rezensenten waren der Meinung, das Buch konzentriere sich zu sehr auf die Etymologie und lasse eine gründliche historische Darstellung vermissen. Es gab Fälle, in denen die Verwendung von Zitaten erzwungen erschien, und der erste Teil des Buches wurde als etwas erschöpfend in Bezug auf die Ursprünge des Begriffs beschrieben. Einige Leser fanden Teile der Diskussion über die wissenschaftliche Analyse des Begriffs weniger ansprechend.
(basierend auf 17 Leserbewertungen)
Realpolitik: A History
Seit ihrer Prägung in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland hat sich die Realpolitik als schwer fassbar und wandelbar erwiesen. Für die einen ist sie der beste Ansatz für einen sinnvollen Wandel und politische Stabilität in einer von Unsicherheit und schnellem Wandel geprägten Welt. Für andere steht sie für eine Haltung des Zynismus und des kalten Kalküls, für eine durchsichtige, sich selbst rechtfertigende Politik, die von dominanten Nationen gegenüber schwächeren ausgeübt wird. Über Generationen hinweg neu geformt und seinem politischen und ideologischen Moment unterworfen, bleibt Realpolitik ein Prüfstein für Diskussionen über Staatskunst und Diplomatie. Es ist ein belastetes Konzept.
Der Historiker John Bew untersucht die Entstehungsgeschichte der Realpolitik und spürt ihrer langjährigen und anhaltenden Bedeutung in politischen und außenpolitischen Debatten nach. Bew deckt in seinem Buch den Kontext auf, aus dem die Realpolitik hervorging, nämlich die Begeisterung für den radikalen Wandel im Jahr 1848 in Europa. Er erläutert ihre Anwendung in der Außenpolitik seit den Tagen Bismarcks. Schließlich beleuchtet er die Übersetzung aus dem Deutschen ins Englische, die die einzigartige anglo-amerikanische Version der Realpolitik offenbart, die heute praktiziert wird, eine moderne Version, die versucht, Idealismus mit der Verfolgung nationaler Interessen zu vereinbaren.
Lebendig, enzyklopädisch und äußerst originell beleuchtet Realpolitik: Eine Geschichte das Leben und die Zeiten eines Begriffs, der die internationalen Beziehungen geprägt hat und weiterhin prägen wird.