Bewertung:

Das Buch befasst sich mit dem Problem der Sinophobie in der heutigen Mongolei und bietet eine wissenschaftliche Analyse ihrer historischen Wurzeln und soziopolitischen Auswirkungen. Einige Rezensenten schätzen die gründliche Recherche und die aufschlussreichen Perspektiven, während andere die Verallgemeinerungen und kulturellen Missverständnisse des Autors kritisieren.
Vorteile:Gut recherchiert mit einem wissenschaftlichen Ansatz, leicht zu lesen, historisch informativ, bietet interessante Perspektiven auf die mongolische Identität und den Nationalismus, insbesondere die Auswirkungen der sowjetischen Propaganda und der modernen Stimmung.
Nachteile:Enthält Verallgemeinerungen und potenziell irreführende Behauptungen über den aktuellen Stand der antichinesischen Stimmung in der Mongolei, lässt ein tiefes kulturelles Verständnis der chinesisch-mongolischen Beziehungen vermissen und stützt sich auf möglicherweise ungeeignete Analyserahmen.
(basierend auf 5 Leserbewertungen)
Sinophobia: Anxiety, Violence, and the Making of Mongolian Identity
Sinophobie ist eine zeitgemäße und bahnbrechende Studie über die derzeit in der Mongolei weit verbreitete antichinesische Stimmung. Graffiti, die zur Beseitigung der Chinesen aufrufen, zieren das Stadtbild, Lieder über die Tötung der Chinesen werden auf öffentlichen Plätzen gespielt, und Gerüchte über chinesische Pläne zur Übernahme des Landes und zur Ausrottung der Mongolen sind weit verbreitet. Solche gewalttätigen antichinesischen Gefühle werden häufig als Folge der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung Chinas erklärt, die bei den unmittelbaren Nachbarn und insbesondere in der Mongolei, einem großen, aber dünn besiedelten Land, das reich an Bodenschätzen ist, große Ängste auslöst. Andere Analysten verweisen auf tief verwurzelte Antagonismen und eine jahrhundertelange Feindschaft zwischen den beiden Gruppen, was unüberbrückbare kulturelle Unterschiede voraussetzt.
Franck Bill stellt diese reduktiven Erklärungen in Frage. Er stützt sich auf ausgedehnte Feldforschung, Interviews und eine Vielzahl von Quellen in mongolischer, chinesischer und russischer Sprache und argumentiert, dass antichinesische Gefühle kein neues Phänomen sind, sondern auf die spätsozialistische Zeit (1960-1990) zurückgehen, als das politische und kulturelle Leben der Mongolei eng mit dem Russlands verflochten war. Anhand einer eingehenden Analyse von Mediendiskursen zeigt Bill, wie Stereotypen über Chinesen durch die Verinnerlichung russischer Asienvorstellungen entstanden sind und wie sie sich leicht auf andere asiatische Gruppen wie Koreaner oder Vietnamesen übertragen lassen. Er argumentiert, dass die antichinesische Haltung der Mongolen ein wesentliches Verlangen widerspiegelt, sich von Asien insgesamt zu distanzieren und ihr eigenes Asiatentum abzulehnen. Die gespenstische Präsenz Chinas, das man sich überall und potenziell in jedem vorstellt, erzeugt ein Klima des Misstrauens, des Argwohns und der Paranoia.
Mit seiner detaillierten Ethnografie und seinem innovativen Ansatz leistet Sinophobia einen kritischen Beitrag zu rassischen und ethnischen Studien, indem es sinophobe Narrative in den Vordergrund stellt und psychoanalytische Erkenntnisse in seine Analyse einbezieht. Das Buch leistet nicht nur einen nützlichen Beitrag zur Erforschung der Mongolei, sondern ist auch eine unverzichtbare Lektüre für Anthropologen, Soziologen und Historiker, die sich für Ethnizität, Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit interessieren.