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Roads: An Anthropology of Infrastructure and Expertise
Straßen sind wichtig für Menschen.
Diese Behauptung steht im Mittelpunkt der Arbeit von Penny Harvey und Hannah Knox, die in diesem Buch am Beispiel des Autobahnbaus in Südamerika untersuchen, was uns große öffentliche Infrastrukturprojekte über zeitgenössische Staatsbildung, soziale Beziehungen und entstehende politische Ökonomien sagen können. Roads konzentriert sich auf zwei Hauptschauplätze: die derzeit im Bau befindliche interozeanische Autobahn zwischen Brasilien und Peru, eine bedeutende öffentlich-private Zusammenarbeit, die im Rahmen neuer, international ratifizierter Regulierungsstandards realisiert wird, und eine kürzlich fertiggestellte, 100 Kilometer lange Autobahnstrecke zwischen Iquitos, der größten Stadt im peruanischen Amazonasgebiet, und einer kleinen Stadt namens Nauta, einer der frühesten kolonialen Siedlungen im Amazonasgebiet.
Die Autobahn zwischen Iquitos und Nauta ist eine der teuersten Straßen pro Kilometer auf der ganzen Welt. Indem sie ethnografische und historische Recherchen miteinander verbinden, beleuchten Harvey und Knox die Arbeit von Ingenieuren und Wissenschaftlern, Bürokraten und Vertretern der Baufirmen. Sie beschreiben, wie die örtliche Bevölkerung jedes der Straßenbauprojekte vorwegnahm und sich sogar in Fragen der genauen Streckenführung einmischte, als die Befürchtung aufkam, dass die Straße einigen mehr nutzen würde als anderen.
Konnektivität war ein zentrales, immer wiederkehrendes Thema, denn die Menschen stellten sich den Wohlstand vor, der sich aus der Verbindung mit anderen Teilen des Landes und mit anderen Teilen der Welt ergeben würde. Roads erzählt die Geschichte globaler Geld-, Waren- und Menschenströme sowie von Versuchen, die von Natur aus instabilen physischen und sozialen Umgebungen zu stabilisieren, und ist dabei weitreichend und konzeptionell anspruchsvoll.