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Tunisian Revolutions: Reflections on Seas, Coasts, and Interiors
Im Dezember 2010 setzte sich der arbeitslose tunesische Straßenverkäufer Mohamed Bouazizi in Brand und löste damit den Arabischen Frühling aus. Die populären Interpretationen von Bouazizis Selbstverbrennung stellten die wirtschaftliche und politische Unterdrückung durch das Ben-Ali-Regime als Ursache für die weit verbreitete soziale Verzweiflung dar, die die tunesische Revolution auslöste.
Doch wie Julia Clancy-Smith betont, deutet die lange Geschichte des organisierten politischen Aktivismus und der Protestbewegungen in Tunesien auf weitaus kompliziertere Prozesse hin. Clancy-Smith schlägt einen konzeptionellen Rahmen vor, in dem sich "Küstenbildung" und "Binnenbildung" gegenüberstehen. Sie untersucht die letzten zwei Jahrhunderte Tunesiens und zeigt, wie geografische, ökologische und soziale Faktoren die moderne politische Geschichte des Landes prägen.
In diesem Rahmen untersucht Clancy-Smith, wie die tunesische Küste zu einem mediterranen Spielplatz für transnationale Eliten und zu einem Mekka des Tourismus wurde, während die Agrarregionen im Landesinneren zunehmend vernachlässigt und marginalisiert wurden. Diese Unterscheidung hatte tiefgreifende Auswirkungen auf das Schicksal Tunesiens und manifestierte sich in spaltenden Debatten über Politik, Staat und Religion sowie über den sozio-rechtlichen Status der Frauen, die zu einer Reihe von zivilgesellschaftlichen Massenaktionen führten, die in der Revolution gipfelten.
Clancy-Smith schlägt einen neuen historischen Blickwinkel vor, durch den die Beziehung zwischen räumlichen Verlagerungen, Regionalisierung und Transnationalismus betrachtet werden kann. Georgetown Shorts - kürzer als ein Artikel und kürzer als ein Buch - liefern zeitnahe, von Experten begutachtete wissenschaftliche Arbeiten in einer schnellen und flexiblen Umgebung.
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