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Whitechapel Noise: Jewish Immigrant Life in Yiddish Song and Verse, London 1884-1914
Archivmaterial aus der Londoner jiddischen Presse, Liederbücher und satirische Schriften bieten einen Einblick in das unbekannte kulturelle Leben des jiddischen East End. Whitechapel Noise: Jewish Immigrant Life in Yiddish Song and Verse, London 1884-1914 von Vivi Lachs positioniert die jiddische Populärkultur Londons in einer historischen Perspektive innerhalb der anglo-jüdischen Geschichte, der englischen sozialistischen Ästhetik und der Music-Hall-Kultur und zeigt ihre Beziehung zur transnationalen jiddischsprachigen Welt. Die Schichten kultureller Bezüge in den jiddischen Texten werden genau analysiert und zitiert, um die komplexen und doch intimen Geschichten herauszuarbeiten, die sie enthalten, und bieten neue Perspektiven auf die anglo-jüdische Geschichtsschreibung in drei Hauptbereichen: Politik, Sex und Religion.
Die Akkulturation der jüdischen Einwanderer in das englische Leben ist ein wichtiger Teil der Entwicklung ihrer sozialen Kultur und der Geschichte Londons. Im ersten Teil des Buches gibt Lachs einen Überblick über das alltägliche Leben der Einwanderer in London, ihre Beziehung zum anglo-jüdischen Establishment und die Entwicklung eines populären jiddischen Theaters und einer jiddischen Presse, um einen Kontext zu schaffen, aus dem diese populären Texte stammen. Die Autorin analysiert dann die Gedichte und Lieder und enthüllt die verborgenen sozialen Geschichten der Menschen, die sie geschrieben und aufgeführt haben. So zeigt er beispielsweise, wie Morris Winchevskys Londoner Gedichte verschiedene Versuche aufzeigen, die jüdischen Gastarbeiter in den spezifischen Londoner Aktivismus und die politische Debatte einzubinden. Lachs untersucht Themen wie Ehe, Beziehungen und sexuelle Ausbeutung, die regelmäßig in Music-Hall-Songs auftauchen und auf die sich verändernden sexuellen Rollen in der Londoner Einwanderergemeinschaft anspielen, die von den kulturellen Sitten ihres neuen Standorts beeinflusst wurden. Zum Thema Religion untersucht Lachs, wie Ideen aus jüdischen Texten und Praktiken von den sozialistischen Dichtern verwendet und manipuliert wurden, um Ideen über Klasse, Gleichheit und Revolution voranzutreiben, und satirische Schriften bieten Einblicke in die Art und Weise, wie die Religionsausübung und die zunehmende Säkularisierung das tägliche Leben der Einwanderer in der Begegnung mit der Moderne veränderten.
Die detaillierte und nuancierte Analyse in Whitechapel Noise bietet eine neue Lesart der anglo-jüdischen, Londoner und Immigrantengeschichte. Es ist ein Muss für jüdische und anglo-jüdische Historiker sowie für alle, die sich für Jiddisch, London und Migrationsstudien interessieren.