Bewertung:

Derzeit gibt es keine Leserbewertungen. Die Bewertung basiert auf 2 Stimmen.
Where Paralytics Walk and the Blind See: Stories of Sickness and Disability at the Juncture of Worlds
Eine Erkundung frühneuzeitlicher Darstellungen von Krankheit und Behinderung - und was sie uns über unseren eigenen Umgang mit körperlicher Differenz sagen
In unserem Zeitalter der Biomedizin behandelt die Gesellschaft Krankheit und Behinderung oft als Probleme, die einer Lösung bedürfen. Phänomene der körperlichen Differenz wurden jedoch nicht immer als Mangel und Verlust betrachtet. Where Paralytics Walk and the Blind See untersucht das frühneuzeitliche katholische Kanada unter französischer Herrschaft und zeigt, dass diese Zeit reich an alternativen Auffassungen von Gebrechen, Krankheit und Tod war. Diese frühneuzeitlichen Geschichten sind Gegenentwürfe zu unseren heutigen Annahmen und laden uns ein, uns kreativ vorzustellen, wie wir heute sinnvoll mit der verkörperten Differenz leben können.
Im Mittelpunkt von Dunns Bericht stehen eine Reihe historischer Quellen: Jesuitengeschichten über Krankheiten in Neufrankreich, ein Bericht über das erste Krankenhaus Kanadas, die hagiografische Vita von Catherine de Saint-Augustin und Geschichten über wundersame Heilungen, die ein verstorbener Franziskanermönch bewirkte. In einer frühneuzeitlichen Welt, die einer christlichen Heilsauffassung anhing, waren Krankheit und Behinderung nicht nur für den Körper von Bedeutung, sondern eröffneten auch Möglichkeiten für Tugend, Nächstenliebe und sogar Erlösung. Dunn zeigt, dass diese Überlegungen, wenn sie mit dem modernen Denken kollidieren, zu einer gewissen Freiheit führen, sich neu vorzustellen, was Krankheit und Behinderung für uns bedeuten könnten.
Das Buch Where Paralytics Walk and the Blind See erinnert uns daran, dass die Bedeutung, die wir der verkörperten Andersartigkeit beimessen, historisch bedingt ist, und ist ein überzeugendes Plädoyer für die Rolle der Geschichte bei der Erweiterung unserer Vorstellungskraft.