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Purposive Interpretation in Law
Dieses Buch stellt eine umfassende Theorie der Rechtsauslegung vor, die von einem führenden Richter und Rechtstheoretiker stammt. Derzeit wenden Rechtsphilosophen und Juristen unterschiedliche Auslegungstheorien auf Verfassungen, Gesetze, Vorschriften, Testamente und Verträge an. Aharon Barak argumentiert, dass ein alternativer Ansatz - die zweckgerichtete Auslegung - es Juristen und Wissenschaftlern ermöglicht, alle Rechtstexte in ähnlicher Weise zu behandeln und gleichzeitig die wichtigen Unterschiede zu berücksichtigen. Unabhängig davon, ob die zweckgerichtete Auslegung auf eine vereinheitlichende Theorie hinausläuft, wäre sie anderen Auslegungsmethoden, die jede Art von Text getrennt behandeln, immer noch überlegen.
Barak erläutert die zweckgerichtete Auslegung wie folgt: Jede juristische Auslegung muss damit beginnen, eine Reihe von semantischen Bedeutungen für einen gegebenen Text zu ermitteln, aus denen dann die juristische Bedeutung abgeleitet wird. Bei der zweckgerichteten Auslegung ist der Zweck des Textes das Kriterium dafür, welche der semantischen Bedeutungen die rechtliche Bedeutung ergibt. Die Bestimmung des Endzwecks - und damit der rechtlichen Bedeutung - hängt von der Beziehung zwischen dem subjektiven und dem objektiven Zweck ab.
Das heißt, zwischen der ursprünglichen Absicht des Autors des Textes und der Absicht eines vernünftigen Autors und der Rechtsordnung zum Zeitpunkt der Auslegung. Dies lässt sich leicht feststellen, wenn der subjektive und der objektive Zweck übereinstimmen. Wenn dies nicht der Fall ist, hängt das relative Gewicht, das jedem Zweck zukommt, von der Art des Textes ab. So wird beispielsweise dem subjektiven Zweck bei der Auslegung eines Testaments erhebliches Gewicht beigemessen.
Der objektive Zweck bei der Auslegung einer Verfassung.
Barak entwickelt diese Theorie mit meisterhafter Gelehrsamkeit und großer Aufmerksamkeit für ihre praktische Anwendung. Dabei kontrastiert er seinen Ansatz mit dem von Textualisten und Neotextualisten wie Antonin Scalia, Pragmatikern wie Richard Posner und Rechtsphilosophen wie Ronald Dworkin. Dieses Buch ist ein äußerst wichtiger Beitrag zur Rechtswissenschaft und eine wichtige Alternative zu den Auslegungsansätzen anderer führender Persönlichkeiten in der Welt der Justiz.