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At Home with Apartheid: The Hidden Landscapes of Domestic Service in Johannesburg
Trotz ihres friedlichen, bukolischen Aussehens waren die von Bäumen gesäumten Straßen der südafrikanischen Vorstädte keine Zuflucht vor den rassistischen Spannungen und Demütigungen der repressivsten Jahre der Apartheid. In At Home with Apartheid bietet Rebecca Ginsburg eine intime Untersuchung der kulturellen Landschaften von Johannesburgs Vierteln der mittleren und oberen Mittelklasse während des Höhepunkts der Apartheid (ca. 1960-1975) und bezieht neuere wissenschaftliche Erkenntnisse über Geschlecht, Heim und Familie ein.
Auf subtilere Weise, aber nicht weniger bedeutsam als Fabrikhallen, Hausbesetzerlager, Gefängnisse und Gerichtssäle, waren die Wohnungen der weißen Südafrikaner Schauplätze wichtiger Auseinandersetzungen zwischen weißem Privileg und schwarzem Streben. Subtile Verhandlungen innerhalb der häuslichen Sphäre zwischen weißen, meist weiblichen Hausbesitzern und ihren schwarzen Hausangestellten, ebenfalls überwiegend Frauen, spielten sich in und um diesen Raum ab. Diese scheinbar alltäglichen, privaten Konflikte waren Teil größerer zeitgenössischer Kämpfe zwischen Weißen und Schwarzen um Territorium und Macht.
Ginsburg legt besonderes Augenmerk auf die unterschiedlichen sozialen und rassischen Geografien, die durch die freistehenden Wohnviertel der Arbeiter entstanden, die von Bauunternehmern und Architekten als landschaftliche Ergänzung zu den Haupthäusern entworfen wurden. Ranchhäuser, Villen im italienischen Stil, modernistische Kuben und viktorianische Bungalows bevölkerten die Vororte von Johannesburg. Was diese Stadtteile von ihren Vorbildern in den Vereinigten Staaten oder im Vereinigten Königreich unterschied, waren die allgegenwärtigen Hinterzimmer und die afrikanischen Frauen, die sie in diesen ansonsten ausschließlich weißen Vierteln bewohnten.
Die Autorin führte für dieses Buch mehr als fünfundsiebzig persönliche Interviews, ein Ansatz, der es von anderen Architekturgeschichten unterscheidet. Zusätzlich zu diesen mündlichen Berichten stützt sich Ginsburg auf Pläne, Zeichnungen und Analysen der Gebäude vor Ort. Während die behandelten Themen die Disziplinen der südafrikanischen und architektonischen Geschichte, der feministischen Studien, der Studien zur materiellen Kultur und der Psychologie umspannen, erwecken die starke Erzählweise des Buches, die aussagekräftigen mündlichen Erzählungen und die fesselnde Thematik die untersuchten Viertel und Bewohner lebendig zum Leben.