Bewertung:

Das Buch „Cinderella's Sisters: A Revisionist History of Footbinding“ von Dorothy Ko bietet eine umfassende und akademische Untersuchung der Fußbindepraxis in China, in der der historische Kontext, die kulturelle Bedeutung und die Perspektiven der Frauen, die diese Praxis erlebt haben, beleuchtet werden. Obwohl das Buch aufschlussreich und gut recherchiert ist, empfinden einige Leser es als zu akademisch, zu dicht und zu wenig erzählerisch. Die Reaktionen auf den Schreibstil und die Gliederung des Inhalts sind gemischt: Einige schätzen die vielen Details, andere finden die Darstellung langweilig. Insgesamt ist das Buch ein wertvolles Hilfsmittel für diejenigen, die sich intensiv mit der Geschichte der chinesischen Frauen und der Komplexität des Fußbindens befassen, auch wenn es für Gelegenheitsleser, die ein leichteres oder visuelles Erlebnis suchen, nicht unbedingt geeignet ist.
Vorteile:⬤ Eingehende Erforschung des Fußbindens
⬤ aufschlussreiche Perspektiven
⬤ reichhaltiger historischer Kontext
⬤ gut recherchiert
⬤ bietet einen einzigartigen Blick auf die Erfahrungen von Frauen
⬤ bietet viele wissenschaftliche Referenzen
⬤ lesbarer Stil für ein akademisches Werk.
⬤ Extrem akademisch und dicht
⬤ wurde als zu lehrbuchartig empfunden
⬤ einige Leser fanden es langweilig und schwer, sich damit zu beschäftigen
⬤ Kritik wegen mangelnder Konzentration auf den eigentlichen Prozess des Fußbindens
⬤ Organisation kann einige Leser verwirren.
(basierend auf 19 Leserbewertungen)
Cinderella's Sisters: A Revisionist History of Footbinding
Die Geschichte des Fußbindens ist voll von Widersprüchen und unerwarteten Wendungen. Die Praxis hat ihren Ursprung in der Tanzkultur des mittelalterlichen chinesischen Hofes und verbreitete sich in Adelsfamilien, Bordellen, Dienstmädchenvierteln und bäuerlichen Haushalten.
Die herkömmliche Sicht des Fußbindens als patriarchalische Unterdrückung vernachlässigt oft seine komplexe Geschichte und die Anreize der beteiligten Frauen. Diese revidierte Geschichte, elegant geschrieben und sorgfältig recherchiert, präsentiert ein faszinierendes neues Bild der Praxis von ihren Anfängen im zehnten Jahrhundert bis zu ihrem Ende im zwanzigsten Jahrhundert. Dorothy Ko verurteilt oder verteidigt das Fußbinden nicht, sondern räumt mit vielen Mythen und Missverständnissen über seine Ursprünge, seine Entwicklung und sein schließliches Ende auf und erforscht dabei die Verstrickungen von männlicher Macht und weiblichem Begehren während der tausendjährigen Geschichte dieser Praxis.
Cinderella's Sisters vertritt die These, dass der Wunsch der Männer nach gebundenen Füßen nicht auf sexuelle Perversion zurückzuführen ist, sondern mit größeren Problemen wie kultureller Nostalgie, regionalen Rivalitäten und dem Anspruch auf männliche Privilegien zusammenhängt. Auch Frauen waren keine unglücklichen Opfer, behauptet der Autor.
Ko beschreibt, wie Frauen - die es sich leisten konnten - ihre eigenen Füße und die ihrer Töchter banden, um ihren hohen Status und ihre Selbstachtung zu signalisieren. Weiblichkeit wurde ebenso wie das Binden von Füßen mit körperlicher und häuslicher Arbeit in Verbindung gebracht, und sowohl richtig gebundene Füße als auch schön gefertigte Schuhe erforderten exquisite Fähigkeiten und technisches Wissen, das von Generation zu Generation weitergegeben wurde.
In ihrer Erzählung wendet Ko geschickt Methoden der Sozialgeschichte, der Literaturkritik, der Studien zur materiellen Kultur und der Geschichte des Körpers und der Mode an, um zu veranschaulichen, wie eine Praxis, die als verkörperte Lyrik begann - als eine Möglichkeit, so zu leben, wie es sich die Dichter vorstellten -, schließlich zu einer Übung in Exzess und Torheit wurde.