Bewertung:

Das Buch bietet eine kühne Neubewertung der Holocaust-Studien, indem es etablierte Erzählungen in Frage stellt und ein tieferes Verständnis sowohl für die Täter als auch für die Opfer fördert. Es bietet eine neue Perspektive und wird für seine Klarheit und seinen wissenschaftlichen Mut gelobt. Einige Rezensenten sind jedoch der Meinung, dass es Standardinterpretationen bietet und für sachkundigere Leser möglicherweise keine neuen Erkenntnisse liefert.
Vorteile:Das Buch ist gut geschrieben, regt zum Nachdenken an und ist frei von postmodernen Fachausdrücken. Es unterscheidet effektiv zwischen Fakten und Vorurteilen und wird dafür gelobt, dass es zu weiteren Untersuchungen über den Holocaust anregt. Es bietet eine erfrischende „Nur die Fakten“-Haltung und wird als gute Einführung in das Thema für Neueinsteiger angesehen.
Nachteile:Einige Leser sind der Meinung, dass das Buch sichere und standardisierte Ansichten bietet, die sie nicht wesentlich herausfordern oder neue Interpretationen liefern, wenn sie bereits über den Holocaust informiert sind. In einigen Kritiken wird die vermeintliche Nachsicht des Autors gegenüber bestimmten Figuren der Holocaust-Literatur erwähnt.
(basierend auf 7 Leserbewertungen)
Reading the Holocaust
Die Ereignisse des Holocausts sind für viele Männer und Frauen nach wie vor unvorstellbar, moralisch und intellektuell so verwirrend wie vor einem halben Jahrhundert. Inga Clendinnen versucht das, was sie den "Gorgon-Effekt" nennt, zu zerstreuen: das Erbrechen der Vorstellungskraft und die Entkräftung des Willens, die so viele von uns befallen, wenn wir versuchen, uns mit den Schrecken dieser Geschichte auseinanderzusetzen.
Clendinnen untersucht die Erfahrung des Holocaust sowohl aus der Sicht der Opfer als auch aus der Sicht der Täter. Sie erörtert die bemerkenswerten Zeugnisse von Überlebenden wie Primo Levi und Charlotte Delbo, die schwierige Frage des "Widerstands" in den Lagern und die Strategien der Überlebenden, die Beweggründe der Nazi-Führung zu verstehen. Sie richtet den genauen Blick einer Anthropologin auf die Handlungen der Mörder in den Polizeibataillonen und bei der SS in den Lagern.
Schließlich geht sie der Frage nach, wie der Holocaust in der Dichtung, der Belletristik und im Film dargestellt wurde. Die preisgekrönte Archäologin, Anthropologin und Historikerin alter mexikanischer Kulturen hat den größten Teil ihrer Lehrtätigkeit an der La Trobe University in Bundoora, Australien, verbracht.
Ambivalente Eroberungen: Maya and Spaniard in Yucatan (Cambridge, 1989) und Aztecs: An Interpretation (Cambridge, 1995) sind zwei ihrer bekanntesten wissenschaftlichen Werke. Tiger's Eye: A Memoir, (Scribner, 2001) beschreibt ihren Kampf gegen Leberkrebs.