
Saving Fear in Christian Spirituality
In der Heiligen Schrift als "Anfang der Weisheit" (Ps 111,10) gepriesen, wird die "Furcht des Herrn" heute nur selten erwähnt und wenig verstanden. Sie ist eine Gabe des Geistes und eine moralische Tugend oder Veranlagung, aber die "Furcht des Herrn" bringt häufig auch emotionale Erfahrungen unterschiedlicher Art mit sich: Gewissensbisse, Furcht, Ehrfurcht, Staunen und Ehrfurcht. Ausgehend von der Bibel selbst untersucht diese Sammlung von siebzehn Aufsätzen den Stellenwert der heiligen Furcht in der christlichen Spiritualität von der frühen Kirche bis zur Gegenwart und argumentiert, dass diese Furcht auf verschiedene Weise paradoxerweise mit dem scheinbaren Gegenteil der Furcht, der Liebe, verbunden ist. Die spannungsgeladene Dynamik von Liebe und Angst erklärt die unterschiedlichen Erfahrungen und Ausdrucksformen des christlichen Lebens als Reaktion auf die sich verändernden historischen Umstände und Ereignisse.
Die Schriften der hier untersuchten Theologen, Mystiker, Philosophen, Heiligen und Künstler zeigen, dass die Beziehung zwischen der Furcht und der Liebe Gottes zutiefst herausfordernd und geheimnisvoll ist, dass ihre Elemente auf paradoxe Weise in einer kreativen Spannung zueinander stehen, dass sie aber auch dazu neigen, in der Geschichte der christlichen Spiritualität hin und her zu schwanken, wenn erst das eine, dann das andere in den Vordergrund tritt, manchmal, um ein wahrgenommenes Ungleichgewicht zu korrigieren, manchmal auf die Gefahr hin, dass ihr Begleiter ganz verloren geht. Angesichts dieses historischen Musters, das in diesen chronologisch geordneten Aufsätzen deutlich zum Ausdruck kommt, sollte die spürbare Abwesenheit eines Diskurses über die heilige Furcht in der theologischen Mainstream-Landschaft uns innehalten lassen und uns dazu einladen, darüber nachzudenken, ob und wie - unter welchem Aspekt, in welchen Kontexten - eine heilige Furcht, die untrennbar mit der Liebe verbunden ist, innerhalb der christlichen Spiritualität als Heilmittel sowohl gegen eine lähmende Angst als auch gegen eine vermeintliche Sorglosigkeit wiedergewonnen oder neu entdeckt werden könnte. Dieses Buch wird für Studenten und Wissenschaftler der christlichen Spiritualität, der Theologie, der Bibelwissenschaft, der Religionswissenschaft sowie der Religion und Literatur von Interesse sein.
Mitwirkende: Ann W. Astell, Pieter G. R. de Villiers, Donna R. Hawk-Reinhard, John Sehorn, Catherine Rose Cavadini, Joseph Wawrykow, Robert Boenig, Ralph Keen, Wendy M. Wright, Ephraim Radner, Julia A. Lamm, Cyril O'Regan, Brenna Moore, Maj-Britt Frenze, und Todd Walatka.