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Eating Beauty: The Eucharist and the Spiritual Arts of the Middle Ages
Die rätselhafte Verbindung zwischen der natürlichen und künstlerischen Schönheit, die betrachtet, aber nicht gegessen werden soll, einerseits und der eucharistischen Schönheit, die sowohl gesehen (mit den Augen des Glaubens) als auch gegessen wird, andererseits, fasziniert mich und inspiriert dieses Buch. Man kann keine theo-ästhetischen Fragen über die Eucharistie stellen, ohne sich grundlegende Fragen über die Beziehung zwischen Schönheit, Kunst (im weitesten Sinne) und Essen zu stellen. --vom Essen der Schönheit.
In einem bemerkenswerten Buch, das zugleich gelehrt, verblüffend originell und sehr persönlich ist, erforscht Ann W. Astell die Zweideutigkeit des Begriffs "Schönheit essen". Der Ausdruck evoziert die Zerstörung der Schönheit, den verschlingenden Mund des Grabes, den Mund der Hölle. Schönheit zu essen bedeutet, sie zu zerstören. Doch im Fall der Eucharistie wird der gläubige Mensch, der die Hostie isst, in die Schönheit selbst verwandelt und buchstäblich in Christus aufgenommen. In diesem Sinne, erklärt Astell, sei die Eucharistie das Produkt einer ganzen Lebensweise, einer tugendhaften Lebensform, eines Kunstwerks, mit Christus selbst als dem Hauptkünstler. Die Eucharistie begründete für die Menschen des Mittelalters verschiedene Schulen der Heiligkeit - Zisterzienser, Franziskaner, Dominikaner und Ignatianer -, deren Mitglieder durch das eucharistische Sakrament, das sie empfingen, verbunden waren.
Indem er das Leben der Heiligen nicht in erster Linie als historisches Dokument liest, sondern als ikonischen Ausdruck ursprünglicher Kunstwerke, die vom eucharistischen Christus gestaltet wurden, setzt Astell die gesichtslose Hostie in eine dynamische Beziehung zu diesen Ikonen. Mit dem Aufkommen jeder neuen Spiritualität erweiterte sich die christliche Vorstellung von Schönheit, um zunächst die verunstaltete Schönheit der Heiligen und schließlich die der von der Spaltung zerrissenen Kirche einzubeziehen - eine anti-ästhetische Schönheit, die sowohl Prozess, Leiden, Entstellung und Verschwinden als auch die strahlende Leichtigkeit des auferstandenen Körpers umfasst. Dieses erstaunliche Werk der Geistes- und Religionsgeschichte wird mit aussagekräftigen künstlerischen Beispielen illustriert, die von mittelalterlichen Manuskriptilluminationen bis zu Skulpturen von Michelangelo und Gemälden von Salvador Dal reichen. Astell bringt das Leben mittelalterlicher Heiliger mit so unterschiedlichen modernen Philosophen wie Simone Weil und G. W. F. Hegel ins Gespräch.