
Unraveling Time: Thirty Years of Ethnography in Cuenca, Ecuador
Ann Miles berichtet seit mehr als dreißig Jahren über das Leben in der ecuadorianischen Stadt Cuenca. In dieser Zeit hat sie eine Veränderung nach der anderen miterlebt.
Als große Regionalhauptstadt, in der moderne Züge an historischen Plätzen vorbeifahren, hat Cuenca die Welt eingeladen und dabei zugesehen, wie seine eigenen Bürger die undokumentierte Abwanderung ins Ausland riskieren. Familien sind aus ländlichen Städten gekommen, nur um dann aus dem gentrifizierenden Stadtzentrum verdrängt zu werden. Im Laufe der Zeit wurden Kinder unterrichtet, Straßenlaternen haben die Stadtteile sicherer gemacht, und Geldüberweisungen aus dem Ausland haben dazu beigetragen, neue Häuser zu bauen und die Menschen manchmal auseinandergerissen.
Straßen verbinden heute Menschen, die früher weit voneinander entfernt waren, und das Telefonieren oder Simsen mit dem Handy hat das Abhängen im Laden an der Ecke ersetzt. Unraveling Time zeichnet die dauerhaften Folgen der politischen und sozialen Bewegungen, der transnationalen Migration und der wirtschaftlichen Entwicklung in Cuenca nach.
Miles rechnet mit Details, die weniger engagierten Beobachtern oft entgehen, und legt nahe, dass wir viel mehr lernen, wenn wir auf ein ganzes Leben zurückblicken. Miles praktiziert das, was sie eine Ethnografie der Anhäufung nennt, und betrachtet die Jahrzehnte, in denen sich scheinbar disparate Erfahrungen zu einem kulturellen Wandel zusammenfügen, auf lange Sicht.
Ihr Ansatz zeigt nicht nur, was der Wandel in einer lateinamerikanischen Großstadt bedeutet hat, sondern dient auch als Reflexion über die Ethnografie selbst.