Bewertung:

Dark Matter of the Mind von Daniel Everett erforscht die Natur des menschlichen Wissens und der Sprache und stellt die traditionellen Vorstellungen von einer universellen menschlichen Natur und einem Instinkt in Frage. Das Buch ist sehr analytisch und setzt sich mit verschiedenen philosophischen und linguistischen Debatten auseinander, wobei die Rolle der Kultur bei der Gestaltung von Wissen und Sprachentwicklung hervorgehoben wird.
Vorteile:Der Text ist sehr fesselnd und regt zum Nachdenken an und leistet einen wesentlichen Beitrag zur Diskussion über Sprache, Kultur und menschliche Erkenntnis. Everetts Kritik an den traditionellen kognitiven Modellen und den Theorien Chomskys ist überzeugend und schlägt ein differenzierteres Verständnis der Beziehung zwischen Kultur und Sprache vor. Das Buch lädt zu tiefgreifenden Überlegungen und Diskussionen ein und richtet sich an Leser, die sich für Linguistik, Philosophie und Kulturwissenschaften interessieren.
Nachteile:Aufgrund seiner komplexen Konzepte kann das Buch für Leser ohne Hintergrundwissen in Linguistik oder Philosophie eine Herausforderung darstellen. Einige sind der Meinung, dass Everetts Ideen zwar wichtig, aber nicht völlig neu sind und die von früheren Geisteswissenschaftlern geäußerten Ansichten wiederholen. Außerdem könnte der Fokus auf spezifische akademische Debatten den Zugang zu einem breiteren Publikum einschränken.
(basierend auf 6 Leserbewertungen)
Dark Matter of the Mind: The Culturally Articulated Unconscious
Liegt es in unserer Natur, altruistisch oder böse zu sein, Kunst zu machen, Werkzeuge zu benutzen oder Sprache zu schaffen? Liegt es in unserer Natur, auf eine bestimmte Weise zu denken? Für Daniel L. Everett ist die Antwort ein klares Nein: Es liegt nicht in unserer Natur, eines dieser Dinge zu tun, weil die menschliche Natur nicht existiert - zumindest nicht so, wie wir sie uns normalerweise vorstellen. Im Gegensatz zu den großen Trends in der Evolutionspsychologie und verwandten Bereichen liefert er in diesem Buch ein provokantes und überzeugendes Argument, dass das Einzige, wofür der Mensch angeboren ist, die Freiheit ist: die Freiheit vom evolutionären Instinkt und die Freiheit, sich an eine Vielzahl von Umwelt- und Kulturkontexten anzupassen.
Everett entwirft ein umfassendes Bild der menschlichen Kognition, das sich nicht auf das konzentriert, was im Verstand ist, sondern vielmehr auf das, was im Verstand ist - nämlich die Kultur. Er stützt sich auf jahrelange Feldforschung unter dem Amazonasvolk der Pirah, um verschiedene Theorien des kognitiven Instinkts sorgfältig zu untersuchen, darunter Noam Chomskys grundlegendes Konzept der universellen Grammatik, Freuds Vorstellungen von unbewussten Kräften, Adolf Bastians psychische Einheit des Menschen und Arbeiten über massive Modularität von Evolutionspsychologen wie Leda Cosmides, John Tooby, Jerry Fodor und Steven Pinker. Er beleuchtet die einzigartigen Merkmale der Pirah-Sprache und zeigt, wie unterschiedlich verschiedene Kulturen uns zum Denken bringen können und wie wichtig die Kultur für unsere kognitive Flexibilität ist. Er skizziert die Art und Weise, wie Kultur und individuelle Psychologie symbiotisch zusammenwirken, und vertritt eine buddhistisch anmutende Auffassung des kulturellen Selbst als eine Reihe von Erfahrungen, die durch verschiedene Wahrnehmungen, episodische Erinnerungen, Wertvorstellungen, Wissensstrukturen und soziale Rollen miteinander verbunden sind - und nicht etwa durch einen biologischen Instinkt.
Das Ergebnis ist ein faszinierendes Porträt der "dunklen Materie des Geistes", das zeigt, dass unsere größte evolutionäre Anpassung die Anpassungsfähigkeit selbst ist.