Bewertung:

Die Kritiken zu Kathleen Stewarts Buch sind sehr polarisiert. Die Leser loben es entweder als bahnbrechende und bewegende Ethnografie oder kritisieren es als dicht und prätentiös. Die positiven Rezensionen heben die emotionale Tiefe, die neuen Perspektiven der Sozialtheorie und die ergreifende Darstellung der entrechteten Gemeinschaften hervor. In den negativen Rezensionen wird dagegen der übermäßige Jargon, die mangelnde Klarheit und die gefühlte Abkopplung von den untersuchten Themen hervorgehoben.
Vorteile:⬤ Wird als eine der besten Ethnographien der letzten 30 Jahre angesehen.
⬤ Bietet eine frische und intelligente Vision des zeitgenössischen Amerikas.
⬤ Emotional stark und in der Lage, tiefe Emotionen beim Leser zu wecken.
⬤ Bietet kritische Einblicke in die Erfahrungen marginalisierter Gemeinschaften.
⬤ Spricht mit seinem poetischen und innovativen Ansatz für die Sozialtheorie sowohl ein akademisches als auch ein quasi-populäres Publikum an.
⬤ Kritisiert wird, dass das Buch mit akademischem Jargon überfrachtet ist und dadurch schwer zu lesen ist.
⬤ Der Schreibstil des Autors könnte die Leser abschrecken und lässt eine klare Struktur vermissen.
⬤ Einige Rezensenten sind der Meinung, dass das Buch keinen angemessenen Kontext für die untersuchten Gemeinschaften bietet.
⬤ Dem Autor wird vorgeworfen, sich in philosophischen Mäandern zu verlieren, die von den tatsächlichen Erfahrungen der Probanden ablenken.
⬤ Einige Leser fühlten sich durch die Darstellung der Bewohner West Virginias nicht respektiert.
(basierend auf 11 Leserbewertungen)
A Space on the Side of the Road: Cultural Poetics in an Other America
A Space on the Side of the Road beschwört anschaulich ein "anderes" Amerika herauf, das in den Ruinen der Kohlelager und "Hollers" in West Virginia prekär überlebt. Für Kathleen Stewart existiert dieses "Andere" als ausgeschlossener Subtext zur amerikanischen Erzählung von Kapitalismus, Modernisierung, Materialismus und Demokratie.
In Städten wie Amigo, Red Jacket, Helen, Odd, Viper, Decoy und Twilight spüren Männer und Frauen, die sich gerade erst niedergelassen haben, einem dichten sozialen Imaginären durch Geschichten von Traumata, Erscheinungen, Begegnungen und Exzentrizitäten nach. Stewart untersucht, wie dieses rhythmische, dramatische und komplizierte Erzählen den Alltag in den Hügeln durchdringt und eine kulturelle Poetik bildet. Indem sie ihre eigenen Überlegungen zu Sprache, Kultur und Politik mit fortlaufenden Berichten über "just talk" abwechselt, versetzt uns Stewart in die Intensität dieses nervösen, surrealen "Raums am Straßenrand".
Es ist ein Raum, der uns einen Einblick in eine Bresche in die amerikanische Gesellschaft selbst gibt, wo Friedhöfe von Schrottautos und Haufen von anderen zerstörten Objekten zusammen mit den Erinnerungen überdauern, die diejenigen verfolgen, die vom "Fortschritt" zurückgelassen wurden. Wie James Agees Darstellung der verarmten Pachtbauern im Süden der Depression in Let Us Now Praise Famous Men (Lasst uns jetzt berühmte Männer preisen) nutzt auch dieses Buch Sprache und Fotografien, um den Lesern eine zersplitterte und verratene Gemeinschaft vor Augen zu führen, eine Gemeinschaft, die von Lehrern, Ärzten, Sozialarbeitern und anderen Fachleuten "besetzt" ist, die das "offizielle" Amerika repräsentieren.
Unter Verzicht auf jede endgültige sozialwissenschaftliche Analyse hat Stewart eine neue Art von ethnografischem Schreiben entwickelt, das die Unmittelbarkeit, Dichte, Struktur und Materialität der Kohlelager vermittelt. A Space on the Side of the Road überbrückt endlich die Kluft zwischen Anthropologie und Kulturwissenschaften und liefert uns ein brillantes und herausforderndes Experiment, über "Amerika" zu denken und zu schreiben.