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Cinematic Guerrillas: Propaganda, Projectionists, and Audiences in Socialist China
Wie kann das Kino Revolution machen und die Massen mobilisieren? Im sozialistischen China wuchs das Filmvorführungsnetz von weniger als sechshundert Kinos auf mehr als hunderttausend mobile Filmvorführerteams an. Diese umherziehenden Filmvorführer, die Vorführungen in improvisierten Freilufträumen in ländlichen Gebieten ohne Strom abhielten, brachten nicht nur Filme, sondern auch Stromgeneratoren, Lautsprecher, Diashows, Plakate, Live-Performances und die Teilnahme an Massenritualen mit und verstärkten so die utopischen Träume und gewaltsamen Umwälzungen dieser Zeit.
Cinematic Guerrillas ist eine Mediengeschichte der chinesischen Filmvorführung und -rezeption, die neue Einblicke in die Kräfte und Grenzen der Propaganda bietet. Jie Li stützt sich auf eine Fülle von Archiven, Erinnerungen, Interviews und ethnografischen Feldforschungen und untersucht die Mediennetzwerke und -umgebungen, Diskurse und Praktiken, Erfahrungen und Erinnerungen von Filmvorführern und ihrem Publikum von den 1940er bis zu den 1980er Jahren. Sie befasst sich mit der Ideologie und Praxis der "filmischen Guerilla" - die gleichzeitig Militante auf der Leinwand, Filmteams außerhalb des Netzes und widerspenstige Kinobesucher bezeichnet - und schlägt dabei eine Brücke zwischen der maoistischen Ikonografie, den Erfahrungen der Filmvorführer und der Beteiligung und dem Widerstand der Bevölkerung. Li rekonzeptualisiert die sozialistischen Medienpraktiken als "revolutionäres Geistermedium", das darauf abzielte, das Publikum in Gemeinden zu verwandeln, zum Mao-Kult beizutragen, Skeptiker von revolutionären Wundern zu bekehren und Klassenfeinde zu exorzieren.
Cinematic Guerrillas betrachtet die Bedeutung des Kinos für die Revolution und den Aufbau der Nation, aufeinanderfolgende Generationen von Filmvorführern, Arbeiter, Bauern und Soldaten, Frauen und ethnische Minderheiten sowie nationale Führer, lokale Kader und Kulturzensoren. Durch die Lektüre vielfältiger, lebendiger und oft überraschender Berichte über den Kinobesuch legt Li chinesische Medientheorien frei, die eine kritische neue Perspektive auf das Weltkino eröffnen.