Bewertung:

Die Rezensionen stellen Jonathan Gil Harris' Werk aus unterschiedlichen Blickwinkeln dar. In der einen wird seine selektive Verwendung von Quellen und Verallgemeinerungen kritisiert, in der anderen seine aufschlussreiche Analyse und sein fesselnder Schreibstil gelobt.
Vorteile:Das Buch bietet eine meisterhafte Untersuchung der frühneuzeitlichen englischen Perspektiven auf Krankheit und Gesellschaft und zeichnet sich durch Klarheit, Verve und einen fesselnden Schreibstil aus. Der Autor wird für seine Fähigkeit gelobt, Medizin, Moral und Politik effektiv miteinander zu verknüpfen.
Nachteile:Kritisiert wird, dass das Buch historische Zitate und Fakten herauspickt, die in die Erzählung des Autors passen, was zu großen Verallgemeinerungen führt, ohne dass Gegentrends oder widersprüchliche Fakten zur Kenntnis genommen werden.
(basierend auf 2 Leserbewertungen)
Foreign Bodies and the Body Politic: Discourses of Social Pathology in Early Modern England
Dieses Buch untersucht die Überschneidungen zwischen der frühneuzeitlichen englischen Einstellung zu Krankheit und Gesellschaft und erforscht die kulturelle Bedeutung des Körperbildes an den Schnittstellen von Medizin, Moral und Politik im England der Tudor- und frühen Stuartzeit.
Insbesondere wird aufgezeigt, wie die metaphorischen "Krebsgeschwüre" und "Seuchen" des politischen Körpers zunehmend auf vermeintlich pathologische "Fremdkörper" wie Juden, Katholiken und Hexen zurückgeführt wurden. Hier lassen sich nicht nur die Ursprünge der modernen fremdenfeindlichen Haltung gegenüber Ausländern als Krankheitsüberträgern, sondern auch der "Keim"-Theorie im Allgemeinen erahnen.
Das Pathologische und das Politische stehen also in einer langjährigen, problematischen und meist vernachlässigten Beziehung, deren Vorgeschichte dieses Buch aufzudecken versucht.