
Sick Economies: Drama, Mercantilism, and Disease in Shakespeare's England
Von den Theorien der französischen Physiokraten über den blutähnlichen Kreislauf des Reichtums bis hin zu Adam Smiths unsichtbarer Hand des Marktes hat der Körper eine entscheidende Rolle in der westlichen Wahrnehmung des Wirtschaftlichen gespielt. In der Kultur der Renaissance wurden die vorherrschenden Körpermetaphern für nationalen Reichtum und Wirtschaft jedoch von der relativ neuen Sprache der Infektionskrankheiten abgeleitet. Während die traditionelle galenische Medizin Krankheit als einen Zustand des Ungleichgewichts innerhalb des Körpers verstanden hatte, stellten sich die Schriftsteller der frühen Neuzeit Krankheit zunehmend als invasiven Fremdkörper vor. Jahrhundert und die daraus resultierenden Migrationen von Menschen, Geld und Waren über nationale Grenzen hinweg trugen zu dieser zunehmenden Pathologisierung des Fremden bei. Umgekehrt halfen die neuen, vom Handel geprägten Krankheitsvokabeln den Schriftstellern, die Konturen der nationalen und globalen Wirtschaft darzustellen.
Auf der Grundlage sorgfältiger kultur- und wirtschaftsgeschichtlicher Analysen wird in Sick Economies: Drama, Mercantilism, and Disease in Shakespeare's England die Doppelhelix des Pathologischen und des Ökonomischen in zwei scheinbar disparaten Sphären der frühneuzeitlichen Textproduktion: Drama und merkantilistisches Schreiben. Von besonderem Interesse für diese Studie ist die Art und Weise, wie englische Dramatiker wie Shakespeare, Jonson, Heywood, Massinger und Middleton und Merkantilisten wie Malynes, Milles, Misselden und Mun ihre Vorstellungen von der nationalen Wirtschaft in der Sprache der Krankheit verankerten. Einige dieser Krankheiten - Syphilis, Fleckenkrankheit, Krebsgeschwür, Pest, Hepatitis - haben in der Folge ihre wirtschaftliche Bedeutung verloren; andere - vor allem die Schwindsucht - sind nach wie vor fester Bestandteil des modernen Wirtschaftslexikons, haben aber im Großen und Ganzen ihren pathologischen Sinn verloren.
Sick Economies betritt Neuland, indem es den englischen Merkantilismus in erster Linie als diskursives und nicht als ideologisches oder wirtschaftliches System analysiert, und liefert eine überzeugende Geschichte darüber, wie selbst in unserer Zeit die Verteidigung der transnationalen Wirtschaft paradoxerweise das Fremde pathologisiert hat. Dabei argumentiert Jonathan Gil Harris, dass das, was wir heute als die diskrete Sphäre des Ökonomischen betrachten, nicht von scheinbar unverbundenen Bereichen der Renaissancekultur, insbesondere der Medizin und des Theaters, zu trennen ist.