
Hippocratic, Religious, and Secular Medical Ethics: The Points of Conflict
Woher sollten Ärzte ihre Ethik nehmen? Berufskodizes wie der Hippokratische Eid beanspruchen moralische Autorität für diejenigen, die in einem bestimmten Bereich tätig sind. Nach Ansicht des Medizinethikers Robert Veatch haben diese Kodizes jedoch wenig oder nichts damit zu tun, wie Mitglieder einer Zunft Moral verstehen oder ethische Entscheidungen treffen sollten. Der Hippokratische Eid wird zwar nach wie vor von zahlreichen Berufsverbänden, Wissenschaftlern und Medizinstudenten zitiert, doch Veatch vertritt die Auffassung, dass der Eid ein so anstößiger ethischer Kodex ist, dass er kurzerhand aus dem Berufsleben verbannt werden sollte. Was sollte dann als Grundlage für die medizinische Moral dienen?
Aufbauend auf seinem jüngsten Beitrag zu den angesehenen Gifford-Vorlesungen stellt Veatch die Annahme in Frage, dass Berufsgruppen die Autorität haben, für ihre Mitglieder ethische Kodizes zu verkünden. Im Gegenteil, er vertritt die Auffassung, dass rollenspezifische Pflichten aus ethischen Normen abgeleitet werden müssen, die ihre Grundlage außerhalb des Berufs in religiösen und säkularen Überzeugungen haben. Außerdem müssen diese ethischen Normen für Laien und Patienten verständlich sein. Veatch argumentiert, dass es einige moralische Normen gibt, die von den meisten Menschen geteilt werden und die eine gemeinsame Moral widerspiegeln, und letztlich sind es diese allgemein anerkannten religiösen und säkularen Erkenntnisweisen - bisher am besten veranschaulicht durch die Allgemeine Erklärung zur Bioethik und zu den Menschenrechten aus dem Jahr 2005 -, die die Moral aller Beziehungen zwischen Patienten und Fachleuten im Bereich der Medizin untermauern sollten.
Die hippokratische, religiöse und säkulare Medizinethik ist das Hauptwerk eines der bedeutendsten Medizinethiker seiner Generation.