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Intimate Enemies: Landowners, Power, and Violence in Chiapas
Intimate Enemies ist das erste Buch, das die Konflikte in Chiapas aus der Perspektive der Landeliten untersucht, die in der gewalttätigen Geschichte des Staates eine entscheidende Rolle spielen, aber bisher kaum untersucht wurden. In der wissenschaftlichen Diskussion über die Agrarpolitik wurden die Landeliten in der Regel als "Bösewichte" mit bestimmten Interessen und offensichtlichen Motiven dargestellt.
Aaron Bobrow-Strain nimmt die Landbesitzer von Chiapas ernst und fragt, warum die Kaffeepflanzer und Viehzüchter, die eine lange Geschichte gewaltsamer Antworten auf Agrarkonflikte haben, auf die durch den zapatistischen Aufstand von 1994 ausgelösten Landinvasionen mit Ruhe und Resignation statt mit Schlägereien und Waffen reagierten. Dabei bietet er einen einzigartigen ethnographischen und historischen Einblick in Konflikte, die bisher fast ausschließlich durch Studien über indigene Völker und Bewegungen verstanden wurden. Indem er Ethnographie, Archivforschung und Kulturgeschichte miteinander verwebt, argumentiert Bobrow-Strain, dass die Landbesitzer bereits vor den Umwälzungen von 1994 zwischen dem zunehmend organisierten indigenen Aktivismus und der abnehmenden politischen und wirtschaftlichen Unterstützung durch den mexikanischen Staat in Bedrängnis gerieten.
Er zeigt, dass die 1994 einsetzenden indigenen Mobilisierungen nicht nur die Ökonomie der Landwirtschaft in Frage stellten, sondern auch das Verständnis der Großgrundbesitzer von Fortschritt, Männlichkeit, ethnischer Zugehörigkeit und indigener Gefügigkeit. Indem er die Reaktionen der Eliten auf die Landinvasionen im Zusammenhang mit der Kulturpolitik von Rasse, Klasse und Geschlecht untersucht, liefert Bobrow-Strain zeitgemäße Einblicke in die politischen Debatten rund um das jüngste weltweite Wiederaufleben der bäuerlichen Landreformbewegungen.
Gleichzeitig überdenkt er wichtige theoretische Rahmen, die lange Zeit die Untersuchung der Agrarpolitik geleitet haben, indem er die Erkenntnisse der politischen Ökonomie und der kritischen Humangeographie über die Produktion von Raum einbezieht. Intimate Enemies beschreibt, wie eine sorgfältig verteidigte Welt der Rassenprivilegien, der politischen Dominanz und des Landmonopols aus den Fugen geriet, und ist ein bemerkenswerter Bericht darüber, wie Macht auf dem Lande funktioniert.