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John W. Thompson: Psychiatrist in the Shadow of the Holocaust
John W. Thompson: Psychiater im Schatten des Holocaust ist die Biografie eines Arztes, dessen Abscheu vor den Menschenversuchen der Nazis ihn dazu veranlasste, eine humane Grundlage für die Beziehungen zwischen Arzt und Patient zu suchen. Als Offizier des militärischen wissenschaftlichen Nachrichtendienstes war Thompson 1945 der erste, der medizinische Kriegsverbrechen als eine besondere Kategorie für die Strafverfolgung benannte. Seine Untersuchungen legten den Grundstein für die Nürnberger Ärzteprozesse und für die neue Idee der informierten Zustimmung. Dennoch ist Thompson trotz seiner zahlreichen wissenschaftlichen, literarischen und religiösen Verbindungen eine wenig bekannte Persönlichkeit geblieben.
Dieses Buch zeichnet Thompsons Leben von seiner Geburt in Mexiko über sein Studium in Stanford, Edinburgh und Harvard bis hin zu seinem Dienst in der kanadischen Luftwaffe nach. Es rekonstruiert seine therapeutische Arbeit mit der Unesco in Deutschland und seine Zeit als Bürgerrechtsaktivist in New York, wo er sein Konzept der ganzheitlichen Medizin entwickelte.
Thompson stand Autoren wie Auden und Spender sowie inspirierenden religiösen Persönlichkeiten wie Jean Vanier, dem Gründer von L'Arche, nahe. Er griff auf Ideen von Freud, Jung und Buber zurück. Die philosophischen und religiösen Dimensionen von Thompsons Reaktion auf das Leiden der Holocaust-Opfer sind der Schlüssel zu dieser Studie, die sich auf Berichte von Psychiatern, Studenten und Patienten stützt, die Thompson persönlich kannten, sowie auf Akten zur Verfolgung von Kriegsverbrechen und unveröffentlichte persönliche Unterlagen.
Paul Weindling ist Wellcome Trust Research Professor am Centre for Health, Medicine and Society: Vergangenheit und Gegenwart, Oxford Brookes University, UK.