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From Clinic to Concentration Camp: Reassessing Nazi Medical and Racial Research, 1933-1945
Als Vertreter einer neuen Welle von Forschungen und Analysen über nationalsozialistische Menschenversuche und Zwangsforschung brechen die Kapitel in diesem Band bewusst mit einer von oben nach unten gerichteten Geschichte, die sich auf die Experimente in den Konzentrationslagern unter der Kontrolle von Himmler und der SS beschränkt. Stattdessen werden die extremen Experimente (bei denen die Versuchspersonen bis zum Tod gebracht wurden) in ein weitaus breiteres Spektrum der missbräuchlichen Zwangsforschung eingeordnet.
Das Buch betrachtet die Experimente nicht isoliert, sondern als Teil der medizinischen Versorgung, die in die Kriegswirtschaft der Nazis eingebunden war, und zeigt, dass die Forscher opportunistisch waren und sich eine beträchtliche Autonomie bewahrten. Die Aufopferung so vieler Gefangener, Patienten und ansonsten gesunder Menschen, die als Häftlinge zusammengetrieben wurden, wirft wichtige Fragen zur Identität der Versuchspersonen auf: Wer waren sie, wie fühlten sie sich, wie viele Versuchspersonen gab es und wie viele überlebten? Diese Unterwelt der Opfer der Elitewissenschaft deutscher medizinischer Institute und Kliniken ist bisher ein Randthema der Geschichte geblieben.
Juden waren eine Zielgruppe, aber auch Zigeuner/Sinti und Roma, psychisch Kranke, Kriegsgefangene und Partisanen. Indem das Buch untersucht, wann und in welchem Umfang die Wissenschaftler eine Gruppe gegenüber einer anderen auswählten, liefert es einen wichtigen Beleg für die Handlungsfähigkeit der Versuchspersonen, indem es Reaktionen und Erfahrungsberichte rekonstruiert und aufzeichnet, wie diese Experimente - Symbole extremer rassistischer Folter - eine der schlimmsten Auswüchse des Nationalsozialismus darstellen.