Bewertung:

In „Minding the Modern“ legt Thomas Pfau eine kritische Untersuchung der Auswirkungen der Moderne auf das Konzept der menschlichen Person und die Geisteswissenschaften vor und plädiert für eine Rückkehr zu den reichen intellektuellen Traditionen der Vergangenheit. Er argumentiert, dass der moderne Säkularismus zu einem reduzierten Verständnis des menschlichen Handelns geführt hat und dass das klassische christliche Denken bessere Einsichten in das Wesen der menschlichen Person bietet. Pfau stützt sich auf verschiedene literarische und philosophische Quellen, um seine Behauptungen zu untermauern, und stellt die Ansicht in Frage, dass moderner Fortschritt einen entscheidenden Bruch mit religiösen Traditionen bedeutet.
Vorteile:⬤ Bietet eine tiefgreifende und nuancierte Erforschung von Persönlichkeit und Handlungsfähigkeit durch historische und textliche Analyse.
⬤ Beschäftigt sich mit einem breiten Spektrum intellektueller Traditionen und verbindet zeitgenössische Herausforderungen mit dem historischen Kontext.
⬤ Bietet eine starke Kritik des modernen Säkularismus und seiner Grenzen beim Verständnis der menschlichen Natur.
⬤ Pfaus Texte sind wortgewandt und regen zum Nachdenken an und ermutigen den Leser, etablierte Erzählungen über Moderne und Tradition zu überdenken.
⬤ Der Umfang und die Komplexität des Buches könnten für einige Leser entmutigend sein.
⬤ Pfaus Betonung klassischer christlicher Darstellungen könnte Leser aus nichtchristlichen Traditionen befremden.
⬤ Manche mögen seine Kritik an bestimmten protestantischen Bewegungen als zu reduktiv empfinden.
⬤ Der große erzählerische Ansatz könnte die Vielfalt der Perspektiven im historischen Kontext der Moderne übersehen.
(basierend auf 1 Leserbewertungen)
Minding the Modern: Human Agency, Intellectual Traditions, and Responsible Knowledge
In dieser brillanten Studie argumentiert Thomas Pfau, dass der Verlust grundlegender Konzepte in der klassischen und mittelalterlichen aristotelischen Philosophie zu einer verhängnisvollen Trennung zwischen Vernunft und Wille im europäischen Denken führte. Pfau zeichnet die Entwicklung und den letztendlichen Verfall der Schlüsselbegriffe des menschlichen Handelns - Wille, Person, Urteil, Handlung - von der Antike über die Scholastik bis hin zur Moraltheorie des 18. Jahrhunderts und ihrer kritischen Revision in den Werken von Samuel Taylor Coleridge nach. Jahrhundert und ihre kritische Revision in den Werken von Samuel Taylor Coleridge. Mit ausführlichen kritischen Erörterungen von Aristoteles, Gnostizismus, Augustinus, Aquin, Ockham, Hobbes, Shaftesbury, Mandeville, Hutcheson, Hume, Adam Smith und Coleridge vertritt diese Studie die These, dass die humanistischen Konzepte, die diese Autoren zu erhellen versuchen, nur dann Sinn und Bedeutung erlangen, wenn wir bereit sind, uns positiv mit ihren früheren Verwendungen auseinanderzusetzen (anstatt sie zu historisieren). Beginnend mit dem Aufkommen des theologischen (und schließlich des säkularen) Voluntarismus scheint das moderne Denken zunehmend unwillig und mit der Zeit unfähig zu sein, sich mit der tiefgreifenden Geschichte seiner eigenen zugrundeliegenden Konzepte auseinanderzusetzen, was dazu führt, dass unser Verständnis des Wesens und der Funktion der humanistischen Forschung zunehmend ausgefranst und inkohärent wird.
Eine Folge dieser Verschiebung ist, dass die moralische Selbstdarstellung der intellektuellen Eliten wie auch der normalen Bürger verkümmert ist, was wiederum die weit verbreitete Vorstellung genährt hat, dass moralische und ethische Belange nur ein spezieller Zweig der Forschung sind, der weitgehend durch Meinungen und nicht durch dialogisches Denken, Urteilen und Handeln bestimmt wird.
Ein deutliches Zeichen für diesen Rückschritt ist die gegenwärtige Krise der Geisteswissenschaften, deren Rolle überwiegend im Hinblick auf wissenschaftliche Theorien, Methoden und Ziele konzipiert (und negativ bewertet) wird. Das letzte Opfer dieses Reduktionismus ist die Idee des Personseins selbst und das Verschwinden einer angemessenen ethischen Sprache. Minding the Modern ist nicht nur ein Kapitel der Ideengeschichte, sondern eine gründliche phänomenologische und metaphysische Studie über die Wurzeln der heutigen Probleme.