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Nonhuman Photography
Eine neue Philosophie der Fotografie, die über humanistische Konzepte hinausgeht und bildgebende Verfahren betrachtet, bei denen der Mensch als Subjekt und Akteur abwesend ist.
Im Zeitalter von Videoüberwachung, Drohnen, medizinischen Körperscans und Satellitenbildern wird die Fotografie zunehmend von menschlichem Handeln und menschlichem Sehen entkoppelt. In Nonhuman Photography bietet Joanna Zylinska eine neue Philosophie der Fotografie an, die über die menschenzentrierte Sichtweise hinausgeht und Bildgebungspraktiken betrachtet, bei denen der Mensch abwesend ist. Zylinska argumentiert weiter, dass selbst die von Menschen produzierten Bilder, ob von Künstlern oder Amateuren, ein nicht-menschliches, mechanisches Element enthalten, d. h. sie beinhalten die Ausführung technischer und kultureller Algorithmen, die sowohl unsere bildgebenden Geräte als auch unsere Sehgewohnheiten prägen. Gleichzeitig, so stellt sie fest, wird die Fotografie zunehmend eingesetzt, um die Unsicherheit des menschlichen Lebensraums zu dokumentieren, und sie soll uns helfen, uns eine bessere Zukunft vorzustellen. Mit ihrer Verbindung von menschlicher und nicht-menschlicher Handlungsfähigkeit und Vision, so Zylinska, fungiert die Fotografie sowohl als eine Form der Kontrolle als auch als eine lebensgestaltende Kraft.
Zylinska erforscht das Potenzial der Fotografie für die Entwicklung neuer Seh- und Vorstellungsweisen und präsentiert Bilder aus ihrem eigenen Fotoprojekt Active Perceptual Systems. Sie untersucht auch die Herausforderungen, die die Digitalisierung für etablierte Vorstellungen von Kunst, Kultur und Medien mit sich bringt. Indem sie eine Verbindung zwischen biologischem Aussterben und technischer Obsoleszenz herstellt und die Parallelen zwischen Fotografie und Fossilisierung diskutiert, schlägt sie vor, Fotografie als einen lichtinduzierten Prozess der Fossilisierung über Medien und Zeitskalen hinweg zu verstehen.