Bewertung:

Das Buch hat gemischte Kritiken erhalten, gelobt für seine Beiträge zur queeren Zeitlichkeit und zu kritischen Rahmenwerken, aber auch kritisiert für seine dichte akademische Sprache und den vermeintlichen Mangel an Zugänglichkeit. Einige Leser schätzen die genaue Textanalyse und die innovativen Ideen, während andere es als zu komplex und undurchdringlich empfinden.
Vorteile:⬤ Ein kluger und zeitgemäßer Beitrag zu kritischen Diskussionen in verschiedenen Bereichen.
⬤ Hervorragender Beitrag zur Literatur über queere Zeitlichkeit.
⬤ Bietet nützliche Rahmenwerke wie Chrononormativität und Erotohistoriographie.
⬤ Starke Textanalyse, die die Argumente der Autorin unterstützt.
⬤ Enthält dichte akademische Sprache, die allgemeine Leser abschrecken könnte.
⬤ Einige Argumente werden als obskur oder zu nischenhaft angesehen.
⬤ Wird eher als ausgedehnter Riff denn als zusammenhängendes Argument wahrgenommen.
⬤ Die Textanalyse wird kritisiert, weil es ihr an Kontext und sinnvoller Kritik fehlt.
(basierend auf 5 Leserbewertungen)
Time Binds ist ein starkes Argument dafür, dass zeitliche und sexuelle Dissonanzen miteinander verwoben sind und dass die Geschichtsschreibung sowohl verkörpert als auch erotisch sein kann.
Elizabeth Freeman stellt die jüngste Betonung von Verlust und Trauma in der Queer-Theorie in Frage und stellt die körperliche Lust an der Erfahrung und Darstellung von Zeit in den Vordergrund, indem sie ein eklektisches Archiv von Queer-Literatur, Film, Video und Kunst interpretiert. Sie untersucht Arbeiten von bildenden Künstlern, die in einer kommodifizierten, „postfeministischen“ und „postschwulen“ Welt entstanden sind.
Dennoch akzeptieren sie nicht vollständig den Verlust an politischer und kritischer Macht, der mit der Vorstellung einhergeht, dass verschiedene politische und soziale Kämpfe gewonnen wurden und nun der Vergangenheit angehören. Indem sie in ihren Arbeiten zeitliche Lücken und narrative Umwege bevorzugen, schlagen diese Künstler Wege vor, die Vergangenheit in eine sinnvolle, transformative Beziehung zur Gegenwart zu setzen. Solche „queeren Asynchronien“ bieten die Möglichkeit, historisches Bewusstsein in erotischer Hinsicht neu zu denken und damit den Methoden der traditionellen und marxistischen Geschichtsschreibung entgegenzuwirken.
Im Mittelpunkt von Freemans Argumentation stehen die Konzepte der Chrononormativität, der Gebrauch von Zeit zur Organisation individueller menschlicher Körper mit dem Ziel maximaler Produktivität, der zeitliche Sog, die viszerale Anziehungskraft der Vergangenheit auf die vermeintlich revolutionäre Gegenwart, und die Erotohistoriographie, der bewusste Gebrauch des Körpers als Kanal und Mittel zum Verständnis der Vergangenheit. Time Binds betont die Kritik der Zeitlichkeit und der Geschichte als entscheidend für queere Politik.