Bewertung:

Das Buch von Lee Ann Fujii bietet eine eingehende Analyse des Völkermords in Ruanda und vermittelt ein nuanciertes und umfassendes Verständnis der Faktoren, die zu solcher Gewalt führen. Es wird für seine gründliche Recherche und seinen fesselnden Schreibstil gelobt und bietet aufschlussreiche Einblicke in das menschliche Verhalten während tragischer Ereignisse.
Vorteile:Hervorragend geschrieben und gründlich recherchiert, bietet es eine neue und nuancierte Perspektive auf den Völkermord in Ruanda, wertvolle Berichte aus erster Hand und wichtige Einblicke in menschliches Verhalten und soziale Komplexität.
Nachteile:In den Rezensionen wird nichts explizit erwähnt; das Thema ist jedoch beunruhigend und daher möglicherweise nicht für alle Leser geeignet.
(basierend auf 6 Leserbewertungen)
Killing Neighbors: Webs of Violence in Rwanda
Bei den schrecklichen Ereignissen Mitte der 1990er Jahre in Ruanda töteten Zehntausende von Hutu ihre Tutsi-Freunde, Nachbarn und sogar Familienangehörige. Diese grausame Gewalt hat eine fast ebenso bemerkenswerte Tatsache überschattet: dass Hunderttausende von Hutu niemanden getötet haben. Lee Ann Fujii untersucht die Motive und den spezifischen Kontext des Völkermordes in Ruanda und konzentriert sich dabei auf einzelne Handlungen, anstatt pauschale Kategorien aufzustellen.
Fujii argumentiert, dass ethnischer Hass und Angst die Mobilisierung der Ruander gegeneinander nicht hinreichend erklären. Fujiis ausführliche Interviews in ruandischen Gefängnissen und zwei ländlichen Gemeinden bilden die Grundlage für ihre Behauptung, dass die massenhafte Beteiligung am Völkermord nicht das Ergebnis ethnischer Antagonismen war. Vielmehr war der soziale Kontext des Handelns entscheidend. Eine starke Gruppendynamik und etablierte lokale Bindungen prägten die Muster der Rekrutierung für und der Beteiligung am Völkermord.
Dieses Netz sozialer Interaktionen band die Menschen an die Machthaber und die mordenden Gruppen. Fujii zeigt, dass sich die Menschen dem Völkermord anschlossen und im Laufe der Zeit weiter daran teilnahmen, weil das Töten in großen Gruppen denjenigen, die zerstörerisch handelten, Identität verlieh. Die Täter des Völkermords schufen neue Gruppen, die sich darauf konzentrierten, frühere Bindungen zu zerstören, indem sie Verwandte und Bekannte töteten.