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Tragic Modernities
Die antiken griechischen Tragödien von Aischylos, Sophokles und Euripides gelten seit langem als grundlegende Werke der westlichen Literatur, die für ihre ästhetische Perfektion und zeitlosen Wahrheiten verehrt werden. Unter dem Mikroskop der neueren Forschung hat die vermeintliche Universalität der griechischen Tragödie jedoch zu verblassen begonnen, da die Besonderheiten der athenischen Kultur stärker in den Vordergrund getreten sind.
Die dargestellte Welt ist so weit von modernen Empfindungen entfernt, dass die Tragödie in den Augen vieler als moderne Kunstform nicht mehr taugt. Tragic Modernities schlägt einen neuen Weg zwischen der unkritischen Wertschätzung und dem entschlossenen Historismus der vergangenen zwei Jahrhunderte ein, um die anhaltende Relevanz der Tragödie im heutigen Leben zu erkunden. Durch die Schriften von so einflussreichen Persönlichkeiten wie Hegel, Marx, Nietzsche und Freud wurde die Tragödie zu einem entscheidenden Bezugspunkt für philosophische und intellektuelle Argumente.
Diese Denker wandten sich insbesondere der griechischen Tragödie zu, um ihre Behauptungen über Geschichte, Revolution, Geschlecht und Sexualität zu untermauern. Von Freuds Ödipuskomplex bis zu Nietzsches Dionysos, von Hegels Dialektik bis zu Marx' Entfremdung - die Tragödie lieferte die Schlüsselbegriffe und die geistige Architektur des 19.
und 20. Indem sie die philosophische Bedeutung der Tragödie hervorhebt, legt Miriam Leonard überzeugend dar, wie die Tragödie die Erfahrung der Moderne geprägt hat, und macht deutlich, warum moderne Konzeptualisierungen der Tragödie unser Verständnis der Antike notwendigerweise färben.
Tragic Modernities ist außergewöhnlich in seinem Umfang und seiner Argumentation. Es widerspricht der Vorstellung vom Tod der Tragödie und argumentiert kraftvoll für die anhaltende Vitalität des griechischen tragischen Theaters in den zentralen Debatten der zeitgenössischen Kultur.