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Visions of Ryukyu
Zwischen 1609 und 1879 war der geografische, politische und ideologische Status des Königreichs Ryukyu (das heutige Okinawa) durch seine Zweideutigkeit gekennzeichnet. Es war seinen größeren Nachbarn, China und Japan, untergeordnet und doch ein integraler Bestandteil von keinem von beiden. Eine japanische Invasionstruppe aus Satsuma hatte das Königreich 1609 erobert, was zu seiner teilweisen Eingliederung in den Bakuhan-Staat von Tokugawa Japan führte. Angesichts der langjährigen Beziehungen Ryukyus zu China und den ostasiatischen Außenbeziehungen nach dem Aufstieg der Qing-Dynastie unterhielt das Bakufu ab Mitte des 17. Jahrhunderts jedoch nur noch eine indirekte Verbindung zu Ryukyu. Jahrhunderts nur noch indirekt mit Ryukyu verbunden. So konnte Ryukyu mehr als zwei Jahrhunderte lang als quasi-unabhängiges Königreich existieren - wenn auch inmitten eines komplexen Geflechts von Handels- und diplomatischen Abkommen, an denen das Bakufu, Satsuma, Fujian und Peking beteiligt waren. Während dieser Zeit veranlasste die zweideutige Position Ryukyus gegenüber China und Japan die Eliten dazu, ihre eigenen Vorstellungen von der ryukyuanischen Identität zu entwickeln. Diese Visionen, die in einer dialogischen Beziehung sowohl zum chinesischen als auch zum japanischen Anderen entstanden, bildeten die Grundlage für politische Programme zur Neugestaltung Ryukyus.
In dieser innovativen und provokativen Studie untersucht Gregory Smits die frühneuzeitlichen Vorstellungen von Ryukyu und ihre Auswirkungen auf die politische Kultur und die Institutionen des Landes. Er beschreibt die wichtigsten historischen Umstände, die den frühneuzeitlichen Diskursen über die Identität Ryukyus zugrunde lagen, und untersucht die Strategien, die von führenden intellektuellen und politischen Persönlichkeiten angewandt wurden, um ihre Visionen von Ryukyu zu gestalten, zu fördern und umzusetzen.
Die frühneuzeitlichen Visionen von Ryukyu basierten auf dem Konfuzianismus, dem Buddhismus und anderen Ideologien der damaligen Zeit. Schließlich setzte sich eine Vision durch, die bis Mitte des 18. Jahrhunderts zur theoretischen Grundlage des frühmodernen Staates wurde. Der Gelehrte und Regierungsbeamte Sai On (1682-1761), der Elemente des Konfuzianismus verwendete, vertrat die Ansicht, dass das Schicksal des Königreichs in erster Linie bei den Ryukyuanern selbst liege und dass eine moralische Gleichstellung mit Japan und China in greifbarer Nähe sei. Trotz der Kontrolle Satsumas über die diplomatischen und wirtschaftlichen Angelegenheiten stellte sich Sai Ryukyu als einen idealen konfuzianischen Staat vor, dessen Regierung und Staatsrituale auf dem chinesischen Modell basierten. Durch die Untersuchung von Sais Denken und politischem Programm wirft dieser Band ein neues Licht auf die konfuzianische Praxis und deckt umgekehrt eine Variante einer ostasiatischen "pränationalen" imaginierten politischen/kulturellen Gemeinschaft auf.