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When the Plums Are Ripe
Der zweite Band einer meisterhaften Trilogie, die Geschichte Kameruns zwischen den Imperien während des Zweiten Weltkriegs
In Kamerun ist die Pflaumenzeit eine mit Spannung erwartete Zeit des Jahres. Doch für den Erzähler von Wenn die Pflaumen reif sind, den Dichter Pouka, erinnert sie an die Zeit, "als unser Land nicht so sehr die Wurzel seiner eigenen Gewalt, sondern die der Welt entdeckte und daraufhin seine Söhne, die man damals senegalesische Infanteristen nannte, in die Wüste warf, so wie die Verkäufer abends all ihre noch unverkauften Pflaumen in die Glut werfen." In diesem Roman von strahlender Lyrik erzählt Patrice Nganang die Geschichte des erzwungenen Eintritts Kameruns in den Zweiten Weltkrieg und verkompliziert dabei unser eigenes Verständnis dieses weltumspannenden Konflikts. Nach dem Fall Frankreichs 1940 fand sich Kamerun zwischen Vichy und den Freien Franzosen wieder, zu einer Zeit, als der wachsende Nationalismus es ratsam machte, keinem der beiden Regime die Treue zu halten, und wurde schließlich in die Kämpfe in Nordafrika auf Seiten der Alliierten hineingezogen.
Angefangen bei Poukas Geschichte bis hin zu den Feldzügen des französischen Generals Leclerc und den Schlachten von Kufra und Murzuk stellt Nganang die kolonialen Aufzeichnungen in Frage und rückt die afrikanische Perspektive in den Mittelpunkt der nationalen Geschichte Kameruns, während er gleichzeitig mit viel Witz und Elan schreibt. Wenn die Pflaumen reif sind ist ein brillant ausgearbeitetes, politisch aufgeladenes Epos, das nicht nur das Erbe des Kolonialismus hinterfragt, sondern auch die Überschneidungen von Sprache, Autorität und Geschichte selbst.