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How the Soviet Man Was Unmade: Cultural Fantasy and Male Subjectivity under Stalin
Im stalinistischen Russland verkörperte der idealisierte Sowjetmensch ein Bild von Stärke, Potenz und unnachgiebiger Tatkraft in seinem Bestreben, einen mächtigen sozialistischen Staat aufzubauen. In Denkmälern, Plakaten und anderen Instrumenten der kulturellen Produktion wurde er zum Halbgott der kommunistischen Ideologie. Doch unter der Oberfläche dieser Fantasie, zwischen den Zeilen der Texte und im Film, lauerte eine andere Figur: der verwundete Körper des heroischen Invaliden, die zweite Version von Stalins Neuem Menschen.
In How the Soviet Man Was Unmade entlarvt Lilya Kaganovsky das Paradoxon hinter dem Mythos des unzerstörbaren Mannes der stalinistischen Ära. In ihrer Analyse der sozialrealistischen Literatur und des Kinos untersucht sie das immer wiederkehrende Thema des verstümmelten männlichen Körpers, das mit erschreckender Häufigkeit auftritt. Kaganovsky betrachtet diese Darstellung als eine kaum verhüllte Aussage über die Entmannung des Mannes während der stalinistischen Ära. Da der kommunistische Staat "voller Helden" war, konnte sich ein Mann nur dann wirklich auszeichnen und den Heldenstatus erlangen, wenn er seinen Körper opferte. Durch seine Verwundung wurde er jedoch für immer daran erinnert, dass er nur begrenzte Möglichkeiten hatte, etwas zu erreichen, und dass von ihm erwartet wurde, dass er sich Stalin und der Partei weiterhin unterordnete.
Kaganovsky liefert eine aufschlussreiche Neubewertung klassischer Werke dieser Zeit, darunter die Romane von Nikolai Ostrovskii (Wie der Stahl gehärtet wurde) und Boris Polevoi (Eine Geschichte über einen echten Mann) sowie Filme wie Ivan Pyr'evs The Party Card, Eduard Pentslins The Fighter Pilots und Mikhail Chiaureli's The Fall of Berlin, um nur einige zu nennen. Die Symbolik der Verwundung und Zerstückelung in diesen Werken wirkt wie ein Riss in der Fassade der stalinistischen Kulturproduktion, durch den wir die Folgen des historischen und politischen Traumas sehen können.