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Archiveology: Walter Benjamin and Archival Film Practices
In Archiveology untersucht Catherine Russell anhand des Werks von Walter Benjamin, wie die Praxis der Archivierung - die Wiederverwendung, das Recycling, die Aneignung und das Ausleihen von archivierten Tönen und Bildern durch Filmemacher - Möglichkeiten bietet, sich die Vergangenheit und die Zukunft vorzustellen.
Russell stellt fest, dass das Filmarchiv nicht einfach nur ein Ort ist, an dem bewegte Bilder aufbewahrt werden, und untersucht eine Reihe von Filmen anhand von Benjamins Konzepten von Erinnerung, Dokument, Ausgrabung und Geschichtsschreibung. Sie zeigt, wie Stadtfilme wie Nicole V dr s Paris 1900 (1947) und Thom Andersens Los Angeles Plays Itself (2003) Vorstellungen vom städtischen Leben rekonstruieren, und nutzt Christian Marclays The Clock (2010), um Parallelen zwischen kritischer Cinephilie und Benjamins Theorie der Phantasmagorie zu ziehen.
Russell erörtert auch Praktiken des Sammelns im archivarischen Film und liest Filme von Joseph Cornell und Rania Stephan, um eine archivarische Praxis zu untersuchen, die das Frauenbild im Film verlagert und neu positioniert. Auf diese Weise zeigt sie nicht nur, dass Benjamins Werk für die Filmtheorie so relevant ist wie eh und je, sondern auch, wie die Archivwissenschaft Künstler und Publikum für kritische Formen von Geschichte und Erinnerung sensibilisieren kann.