Bewertung:

Catherine Russells „The Cinema of Naruse Mikio“ bietet eine eingehende Erforschung der Filme und Beiträge des oft übersehenen japanischen Regisseurs Mikio Naruse. Das Buch deckt Naruses Karriere von seinen Stummfilmen bis zur Nachkriegszeit ab und bietet detaillierte Analysen seines einzigartigen filmischen Stils, der Themen rund um die moderne Frau und des soziopolitischen Kontexts seiner Arbeit. Die präsentierten Einblicke sind sowohl informativ als auch kritisch und etablieren Naruse als eine bedeutende Figur des japanischen Kinos neben seinen berühmteren Zeitgenossen.
Vorteile:Das Buch ist gut geschrieben, gründlich in seiner Analyse und zeigt eine souveräne Beherrschung des Themas. Es bietet aufschlussreiche Kritiken zu Naruses Filmen und hebt sowohl seine Erfolge als auch seine Schwächen hervor. Die Recherchen des Autors sind umfangreich und fügen dem Werk von Naruse einen wertvollen Kontext hinzu, was das Buch für Fans seines Kinos unverzichtbar macht.
Nachteile:Einige Leser haben bemerkt, dass das Buch gelegentlich in einen komplexen akademischen Jargon verfällt, der den Inhalt verdunkeln kann. Es gibt auch Behauptungen über sachliche Ungenauigkeiten in den Zusammenfassungen der Handlung, was zu Skepsis gegenüber den Interpretationen des Autors führt. Außerdem wird in einer Rezension vermutet, dass die akademische Agenda des Autors die Beiträge von Naruse überschatten könnte.
(basierend auf 10 Leserbewertungen)
Cinema of Naruse Mikio: Women and Japanese Modernity
Naruse Mikio (1905-69), einer der produktivsten und angesehensten Regisseure des japanischen Kinos, drehte zwischen 1930 und 1967 neunundachtzig Filme. Bisher wurde jedoch nur wenig über Naruse auf Englisch geschrieben, und ein Großteil der japanischen Schriften über ihn wurde nicht ins Englische übersetzt.
Mit The Cinema of Naruse Mikio bringt Catherine Russell die verdiente kritische Aufmerksamkeit auf diesen unterschätzten Regisseur. Neben der Beleuchtung von Naruses Beiträgen zum japanischen und zum Weltkino wirft Russells eingehende Studie über den Regisseur ein neues Licht auf die japanische Filmindustrie zwischen den 1930er und den 1960er Jahren. Naruse war ein Studioregisseur, ein Mann des Unternehmens, der dafür bekannt war, dass er Filme pünktlich und unter Einhaltung des Budgets ablieferte.
Während seiner langen Karriere drehte er Filme in verschiedenen Stilen des Melodrams, wobei er eine bemerkenswerte Kontinuität im Tonfall an den Tag legte. Seine Filme basierten auf einer Vielzahl von japanischen Literaturquellen und Originaldrehbüchern; fast alle spielten im zeitgenössischen Japan. Viele waren „Frauenfilme“.
Sie hatten weibliche Protagonisten und stellten die Leidenschaften, Enttäuschungen, Routinen und Lebensbedingungen von Frauen dar. Obwohl sich weder Naruse noch sein Publikum als „feministisch“ bezeichneten, stellen seine Filme immer wieder die starren Geschlechternormen der japanischen Gesellschaft in den Vordergrund, wenn nicht gar in Frage. Angesichts der komplexen historischen und kritischen Fragen, die Naruses Kino umgeben, erfordert eine umfassende Studie über den Regisseur einen innovativen und interdisziplinären Ansatz.
Russell stützt sich auf die kritische Rezeption von Naruse in Japan sowie auf die Kulturtheorien von Harry Harootunian, Miriam Hansen und Walter Benjamin. Sie zeigt, dass Naruses Filme Schlüsseltexte der japanischen Moderne waren, sowohl in der Art und Weise, wie sie die sich verändernde Rolle der japanischen Frau in der Öffentlichkeit darstellten, als auch in ihrer Darstellung einer urbanen, industrialisierten und massenmedial durchdrungenen Gesellschaft.