
Jazz Noir: Listening to Music from Phantom Lady to the Last Seduction
Jazz wird mit Verbrechen und Unmoral in Verbindung gebracht, seit frühe Formen dieser Musik in den Bordellen von New Orleans und den von Gangstern betriebenen Clubs der 1920er Jahre zu hören waren. Diese Assoziation förderte die Verwendung von Jazz im Film Noir, einem Genre, das sich mit Geschichten von Angst und städtischem Verfall beschäftigt und in der Nachkriegszeit im amerikanischen Kino seine Blütezeit erlebte.
Obwohl das Ausmaß und die Art dieser Zusammenarbeit oft angedeutet wurde, ist sie selten im Detail untersucht worden. Jazz Noir" versucht, dieses Versäumnis zu korrigieren, indem es die besprochenen Filme in den richtigen historischen Kontext stellt und einen interdisziplinären Ansatz verfolgt, der den Filmen - darunter so bekannte wie "Phantom Lady", "I Want to Live" und "Taxi Driver" - und der unauslöschlichen Musik, die sie begleitete, das gleiche Gewicht einräumt, indem es in erheblichem Umfang auf Archivquellen und Dokumentationen zurückgreift. Auf diese Weise werden viele Missverständnisse über diese komplexe, ideologisch gefärbte Beziehung korrigiert.
Sowohl die Fernseh-"Noirs" der 1950er und 1960er Jahre als auch die filmischen Neo-Noirs der 1990er Jahre haben sich ausgiebig des Jazz und der vom Jazz beeinflussten Musik bedient, was zu dem Missverständnis führte, dass das Genre und der Musikstil schon immer miteinander verflochten waren. Doch wie der Autor David Butler zeigt, wurde der moderne Jazz erst dann im Hollywood-Kino wahrgenommen, als es eine Reihe prominenter weißer Vertreter gab, und selbst dann nur in geringem Maße.
Nichtsdestotrotz passte das breite Spektrum an Jazzstilen gut zum breiten Spektrum des Film Noir, und der historische Ansatz, den Butler verfolgt, trägt solchen Überlegungen gebührend Rechnung. Der Film Noir der 1940er Jahre unterscheidet sich vom Film Noir der 1950er Jahre so sehr wie der Jazz der 1940er Jahre vom Jazz der 1950er Jahre, und "Jazz Noir" bietet eine einzigartige und wertvolle Studie über eine reiche ästhetische Synergie.