
To Live and Die: Collected Stories of the Civil War, 1861-1876
Noch bevor die ersten Kanonenkugeln in Fort Sumter abgefeuert wurden, versuchten amerikanische Schriftsteller, dem Krieg zwischen den Staaten einen kreativen Sinn zu geben. Diese einunddreißig Geschichten wurden aus Hunderten ausgewählt, die zwischen 1861 und der Hundertjahrfeier der USA im Jahr 1876 in populären Magazinen zirkulierten. Diese Kurzgeschichten sind so angeordnet, dass sie die Abfolge des sich entfaltenden Dramas des Krieges und des Wiederaufbaus widerspiegeln. Zusammen bilden sie einen "unbeabsichtigten Roman", eine kollektive Erzählung über eine innenpolitische Krise, die noch andauerte, als die Geschichten geschrieben und veröffentlicht wurden.
Die Autoren, zu denen Louisa May Alcott und Mark Twain gehören, schildern die Schrecken des Schlachtfelds, das Leiden in Gefangenenlagern und Feldlazaretten und die Entbehrungen an der Heimatfront. Auf diesen Seiten tragen Buschauffeure den Krieg in abgelegene Gehöfte, Spione arbeiten von innen heraus in den Haushalten, reisende Zahlmeister sind auf die Freundlichkeit von Frauen an der Grenze angewiesen, und Soldaten entpuppen sich als Mädchen. Die Geschichten sind bevölkert von Krankenschwestern, Offizieren, Spekulanten, Predigern, Sklaven und schwarzen Truppen, und sie spielen in Städten, an der Grenze und auf Schlachtfeldern von Shiloh bis Gettysburg.
Das Buch beginnt mit einem Angriff der Bürgerwehr auf die Underground Railroad und einen Pfarrer aus Kansas in Henry Kings "The Cabin at Pharoah's Ford" und endet mit der Erinnerung einer ehemaligen Sklavin an den Verlust ihres letzten Sohnes in Twains "A True Story". Dazwischen finden sich Geschichten von Frauen und Männern, die in Zeitschriften aus dem Süden und Westen sowie aus dem kulturell dominierenden Nordosten veröffentlicht wurden. Holzstiche aus der Kriegszeit untermalen den Text. Kathleen Diffleys Einführung liefert den literarischen und historischen Hintergrund, und ihr Kommentar führt die Leser in die Autoren der Zeitschriften sowie in die sich vertiefenden Störungen eines Landes im Krieg ein.
Genau wie für die Leser des 19. Jahrhunderts bringen diese Geschichten den Krieg den Lesern von heute nahe und geben einer Krise Gestalt, die die Nation damals erschütterte und sie auch heute noch heimsucht.