
Becoming East German: Socialist Structures and Sensibilities After Hitler
Etwa im ersten Jahrzehnt nach dem Ende der DDR konzentrierten sich die professionellen und populären Interpretationen der ostdeutschen Geschichte in erster Linie auf Formen von Macht und Unterdrückung sowie auf Dissens und Widerstand gegen die kommunistische Herrschaft.
Soziokulturelle Ansätze haben zunehmend gezeigt, dass eine einseitige Fokussierung auf Repression und Zwang eine Reihe wichtiger historischer Fragen außer Acht lässt, darunter auch solche, die mit den subjektiven Erfahrungen derjenigen zusammenhängen, die unter kommunistischen Regimen lebten. Vor diesem Hintergrund untersuchen die Aufsätze in diesem Band wichtige physische und psychische Aspekte des Lebens in der DDR, wie Gesundheit und Ernährung, Freizeit und Essen, Erinnerungen an die NS-Vergangenheit sowie Identität, Sport und Erfahrungen mit alltäglicher Demütigung.
Indem sie die DDR in einen breiteren historischen Kontext einordnen, eröffnen sie neue Interpretationsmöglichkeiten für das Leben hinter dem Eisernen Vorhang - und liefern gleichzeitig eine vernichtende Kritik an der irreführenden Mainstream-Wissenschaft, die die DDR nach wie vor mit den restriktiven Begriffen der Totalitarismustheorie darstellt.