Bewertung:

Derzeit gibt es keine Leserbewertungen. Die Bewertung basiert auf 3 Stimmen.
Toward a History of Epistemic Things: Synthesizing Proteins in the Test Tube
In diesem kraftvollen Werk von konzeptioneller und analytischer Originalität argumentiert der Autor für das Primat der materiellen Arrangements des Labors in der Dynamik der modernen Molekularbiologie. In einer post-Kuhn'schen Abkehr von der Hegemonie der Theorie entwickelt er eine neue Epistemologie des Experimentierens, in der die Forschung als ein Prozess zur Herstellung von epistemischen Dingen behandelt wird.
Ein zentrales Anliegen des Buches ist die grundlegende Frage, wie Neuheit in den empirischen Wissenschaften erzeugt wird. Bei der Beantwortung dieser Frage bringt der Autor französisches poststrukturalistisches Denken - insbesondere Jacques Derridas Konzepte der "Differenz" und der "Historialität" - auf die Konstruktion epistemischer Dinge ein. Die historiografische Perspektive verlagert sich von den Köpfen der Akteure auf die Objekte ihrer Manipulation.
Diese erkenntnistheoretischen und historischen Fragen werden in einer detaillierten Fallstudie eines bestimmten Labors beleuchtet, nämlich des Labors des Onkologen und Biochemikers Paul C. Zamecnik und seiner Kollegen, das sich an einem bestimmten Ort befindet - dem Collis P.
Huntington Memorial Hospital der Harvard University im Massachusetts General Hospital in Boston. Der Autor zeichnet nach, wie diese Gruppe zwischen 1945 und 1965 ein experimentelles System zur Synthese von Proteinen im Reagenzglas entwickelte, das Zamecniks Forschungsteam an die Spitze derjenigen stellte, die die Biochemie in die Ära der Molekularbiologie führten.