
Spectacles of Waste
Heute definiert unsere Fäkalienverhaftung, was es bedeutet, ein moderner Mensch zu sein. Die drängende Sorge um Fäkalien stellt unser Selbstverständnis in Frage und lässt uns fragen, ob wir jemals wirklich unbelastet sein können. Die angestrengten Bemühungen, unsere Scheiße zu verleugnen, haben die Wissenschaft der Abwasserepidemiologie und die molekularen Feinheiten des menschlichen Darmmikrobioms verdrängt. Die Versuche, unsere Scheiße zu verleugnen, haben außerdem die Psychoanalyse, die Philosophie, die Gesellschaftstheorie, die Literatur und die zeitgenössische Kunst hervorgebracht. Aber warum leben wir nach dieser Kacklogik? Und warum sind wir gezwungen, diese beschissenen Wahrheiten zu leugnen und zu verdrängen?
In Spectacles of Waste zeigt der führende Medizinhistoriker Warwick Anderson, wie menschliche Scheiße die moderne Vernunft, Biowissenschaft und Ästhetik anregt und herausfordert. Er führt uns fachkundig durch das Schnüffeln in Abwässern, tief in das Mikrobiom des Darms, vorbei am Kolonialismus der Exkremente und durch die zeitgenössische Politik der Kolonisierung anderer (wie auch unserer selbst). Wir werden mit einem Füllhorn moderner Exkrementalität konfrontiert, einem schmutzigen Arsenal fäkaler Faszinationen, das von analen Charakteren und analen Vergnügungen, unheimlichen Stühlen, Scheißhaufen-Romanzen, Darmrausch, Darmfreunden, dem Hakenwurm-Untergrund, Scheißkunst, kitschigen Tropenlaboren und der Latrinoszene bis hin zur Entstehung der modernen Biowissenschaften reicht.
Mit Verve und Souveränität geschrieben, enthüllt Andersons fachkundige Analyse, wie wir in den letzten Jahren (insbesondere während der COVID-19-Pandemie) die Abstrahierung und Datenerfassung unserer Scheiße verdoppelt haben, und unterstreicht unsere unbewusste Mitschuld an der Verschmutzung unseres Lebens durch ihre biopolitische Signatur.