Bewertung:

Das Buch bietet eine eingehende Untersuchung der Katatonie, ihrer Geschichte und ihres Stellenwerts innerhalb des psychiatrischen Diskurses, was es besonders für Spezialisten auf diesem Gebiet wertvoll macht. Es kombiniert gründliche Forschung mit fesselnden Fallstudien, obwohl es in erster Linie Leser mit einem starken Interesse an der Psychiatrie ansprechen dürfte.
Vorteile:Gut recherchiert und informativ, faszinierende Fallbeispiele, eine Geschichte der Katatonie und ihrer Klassifizierung, Einführung in wichtige Konzepte psychischer Störungen, unterhaltsamer Schreibstil.
Nachteile:⬤ In erster Linie für Fachleute oder ungewöhnlich neugierige Leser geeignet
⬤ spricht möglicherweise keine allgemeinen Leser an
⬤ einige Leser fanden den Titel in Bezug auf das Hauptthema Angst und Schrecken irreführend.
(basierend auf 5 Leserbewertungen)
Madness of Fear: A History of Catatonia
Was sind die wirklichen Krankheitsentitäten in der Psychiatrie? Diese Frage beschäftigt die Psychiatrie schon seit mehr als einem Jahrhundert, doch sie steht auf der Forschungsagenda der Psychiatrie nicht sehr weit oben. Stattdessen stehen grundlagenwissenschaftliche Themen wie Neuroimaging, Neurochemie und Genetik im Vordergrund. Gegen Grundlagenforschung ist nichts einzuwenden, doch bevor wir die Rolle von Gehirnschaltkreisen oder der Gehirnchemie untersuchen, sollten wir dann nicht in der Lage sein, das klinische Erscheinungsbild der verschiedenen Krankheiten zu bestimmen?
Katatonie ist ein menschliches Verhaltenssyndrom, das fast ein Jahrhundert lang unter dem unzureichend bezeichneten psychiatrischen Konzept der Schizophrenie begraben war. Die Symptome sind gut bekannt, und einige von ihnen sind schwerwiegend. Katatonische Patienten können sterben, wenn ihre Temperatur ansteigt; sie dehydrieren, weil sie sich weigern zu trinken; sie riskieren eine Inanition, weil sie sich weigern zu essen oder sich zu bewegen. Autistische Kinder mit Katatonie können sich selbst wiederholt auf den Kopf schlagen. Wir wissen nicht wirklich, was Katatonie ist, so wie wir wissen, was Lungenentzündung ist. Aber wir können sie erkennen, und sie ist sehr gut behandelbar. Kliniker können diese Patienten auf zuverlässiger Basis wieder gesund machen. Es gibt nur wenige andere Krankheitsbilder in der Psychiatrie, auf die dies zutrifft.
Warum also ist das Interesse der Psychiatrie an Katatonie so gering? Warum ist sie einfach nicht auf dem Radar der meisten Kliniker? Katatonie tritt tatsächlich auch bei einer Reihe anderer medizinischer Erkrankungen auf, aber sie ist sicherlich nicht auf dem Radar der meisten Internisten oder Notfallmediziner.
In The Madness of Fear versuchen Dr. Shorter und Dr. Fink zu verstehen, warum dieses "riesige Feld der Unwissenheit" existiert. In der Geschichte der Katatonie sehen sie eine bemerkenswerte Geschichte darüber, wie die Medizin ins Schwimmen gerät und dann ihren Weg zu finden scheint. Und sie kann Ärzten und der Öffentlichkeit helfen, Katatonie als eine der Kernkrankheiten der Psychiatrie anzuerkennen.