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The Devil's Church and Other Stories
Die moderne brasilianische Kurzgeschichte beginnt mit dem reifen Werk von Joaquim Maria Machado de Assis (1839-1908), der fast einhellig als Brasiliens größter Schriftsteller gilt. Die insgesamt neunzehn Erzählungen sind repräsentativ für Machados einzigartigen Stil und seine Weltsicht, und mit dieser Übersetzung verdoppelt sich die Zahl seiner bisher in englischer Sprache erhältlichen Erzählungen.
Die Erzählungen in diesem Band spiegeln Machados Schwerpunkt auf der Gesellschaftssatire nach 1880 und seine Experimente mit dem psychologischen Realismus wider. Hätte er weiterhin die moralisierenden Liebesgeschichten und Salonintrigen seiner früheren Romane geschrieben, wäre Machados Vermächtnis ein unterhaltsames, aber inkonsequentes Werk gewesen. Doch um 1880 hatte er mit seinen Romanen einen verheerenden satirischen Angriff auf die Gesellschaft gestartet. Trotz seiner Rücksichtslosigkeit zeigt Machado zuweilen eine ironische Sympathie für seine Figuren. Er steht den menschlichen Konflikten nicht gleichgültig gegenüber, sondern setzt Humor und Ironie ein, um die Absurdität dieser Konflikte zu betonen, die vor dem Hintergrund eines gleichgültigen Universums ausgetragen werden. Ein solches Spektakel erzeugt ein Gefühl der Hilflosigkeit, das nur wehmütige Heiterkeit hervorrufen kann.
In seiner technischen Beherrschung der Kurzgeschichte. Machado war seinen Zeitgenossen um Jahrzehnte voraus und kann immer noch als moderner angesehen werden als die meisten der Modernisten selbst. Dass seine Geschichten heute so starke und unterschiedliche Reaktionen hervorrufen, ist ein Tribut an ihren Reichtum, ihre Komplexität und ihre Bedeutung.