Der Verlust der Traurigkeit: Wie die Psychiatrie normalen Kummer in eine depressive Störung verwandelte

Bewertung:   (4,3 von 5)

Der Verlust der Traurigkeit: Wie die Psychiatrie normalen Kummer in eine depressive Störung verwandelte (V. Horwitz Allan)

Leserbewertungen

Zusammenfassung:

Die Rezensionen zu „Der Verlust der Traurigkeit“ zeigen ein starkes Interesse an den Argumenten zur Diagnose von Depressionen und der Medikalisierung normaler emotionaler Reaktionen. Viele Leser lobten die Autoren für ihre wissenschaftliche Herangehensweise und ihre kritische Perspektive auf die aktuelle psychiatrische Praxis, insbesondere in Bezug auf das DSM. Einige Kritiker bemängelten jedoch, dass sich das Buch auf eine akademische Sprache stützt und bestimmte therapeutische Perspektiven auslässt.

Vorteile:

Aufschlussreiche und wissenschaftliche Analyse der Diagnose von Depressionen.
Zeigt Mängel in der psychiatrischen Diagnose und die Unterscheidung zwischen normaler Traurigkeit und klinischer Depression auf.
Überzeugende Argumente, die durch Beweise gestützt werden.
Anregend und relevant für Fachleute aus dem Bereich der psychischen Gesundheit und für die breite Öffentlichkeit.
Enthält eine ausgewogene Kritik des DSM und seiner Auswirkungen auf die Behandlung.

Nachteile:

Einige Abschnitte können zu akademisch und dicht sein, was die Lektüre zu einer Herausforderung macht.
Fehlender Bezug zu alternativen therapeutischen Ansätzen wie der Bioenergetischen Therapie, was manche als bedeutendes Versäumnis ansehen.
Kann aufgrund der Komplexität der behandelten Themen überwältigend sein und wirft viele philosophische und praktische Fragen auf, ohne klare Lösungen zu bieten.

(basierend auf 26 Leserbewertungen)

Originaltitel:

The Loss of Sadness: How Psychiatry Transformed Normal Sorrow Into Depressive Disorder

Inhalt des Buches:

Depressionen sind zur am häufigsten behandelten psychischen Störung geworden, und es wird behauptet, dass jedes Jahr einer von zehn Amerikanern an dieser Störung leidet und 25 % irgendwann in ihrem Leben daran erkranken. Die Warnungen, dass depressive Störungen eine der Hauptursachen für weltweite Behinderungen sind, wurden begleitet von einem massiven Anstieg des Verbrauchs von Antidepressiva, von einem weit verbreiteten Screening auf Depressionen in Kliniken und Schulen und von dem Bestreben, Depressionen frühzeitig anhand einiger weniger Symptome zu diagnostizieren, um die Entwicklung schwererer Erkrankungen zu verhindern.

In The Loss of Sadness, Allan V. Horwitz und Jerome C. Wakefield argumentieren, dass depressive Störungen zwar zweifellos existieren und ein verheerender Zustand sein können, der ärztliche Behandlung rechtfertigt, dass aber die scheinbare Epidemie in Wirklichkeit die Art und Weise widerspiegelt, wie die Psychiatrie normale menschliche Traurigkeit als weitgehend anormale Erfahrung verstanden und neu klassifiziert hat. Mit der Veröffentlichung der dritten Auflage des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-III) im Jahr 1980 begannen Psychiater, Depressionen auf der Grundlage von Symptomen wie gedrückter Stimmung, Appetitlosigkeit und Müdigkeit zu diagnostizieren, die mindestens zwei Wochen lang andauerten. Dieses System sei grundlegend fehlerhaft, so die Autoren, weil es den Kontext, in dem die Symptome auftreten, nicht berücksichtige. Sie betonen, wie wichtig es ist, zwischen abnormen Reaktionen aufgrund innerer Funktionsstörungen und normaler Traurigkeit, die durch äußere Umstände ausgelöst wird, zu unterscheiden. Nach dem derzeitigen DSM-Klassifikationssystem ist dies jedoch nicht der Fall.

Eine Unterscheidung ist nicht möglich, so dass die zu erwartende emotionale Belastung durch erschütternde Ereignisse - z. B. der Verlust eines Arbeitsplatzes oder das Ende einer Beziehung - zu einer fälschlichen Diagnose einer depressiven Störung führen kann. Genau dieser Irrtum ist die Ursache für die vermeintliche Epidemie der schweren Depression in unserer Gesellschaft.

Indem sie die Geschichte hinter diesem Phänomen erzählen, stützen sich die Autoren auf die 2.500-jährige Geschichte der Literatur über Depressionen, einschließlich Studien sowohl in der Medizin als auch in den Sozialwissenschaften, um zu zeigen, warum die DSM-Diagnose so fehlerhaft ist. Sie gehen auch der Frage nach, warum sie sich trotz ihrer Grenzen fast ungebrochen durchgesetzt hat. Eingebettet in eine evolutionäre Darstellung der menschlichen Gesundheit und Krankheit, präsentiert The Loss of Sadness eine faszinierende Sezierung der Depression als normale und gestörte menschliche Emotion und eine umfassende Kritik der aktuellen psychiatrischen Diagnosepraxis. Das Ergebnis ist eine starke Herausforderung an die diagnostische Revolution, die vor fast dreißig Jahren in der Psychiatrie begann, und eine provokative Analyse eines der wichtigsten psychischen Gesundheitsprobleme unserer Zeit.

Weitere Daten des Buches:

ISBN:9780199921577
Autor:
Verlag:
Einband:Taschenbuch
Erscheinungsjahr:2012
Seitenzahl:304

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