Bewertung:

Das Buch präsentiert ein detailliertes Porträt von Edith Roosevelt und zeigt ihre bedeutende, aber oft unterschätzte Rolle als First Lady. Der Autor Lewis Gould verbindet gründliche Recherche mit fesselndem Schreiben und bietet neue Einblicke in ihren Einfluss und ihre Beiträge während der Präsidentschaft ihres Mannes.
Vorteile:⬤ Gut recherchiert
⬤ ansprechender und gut lesbarer Stil
⬤ liefert neue Informationen über Edith Roosevelts aktive Rolle und ihren Einfluss
⬤ bietet eine fesselnde Erzählung, die sowohl ihre positiven Beiträge als auch problematische Aspekte der Regierung ihres Mannes beleuchtet.
Einige Leser könnten die Diskussion umstrittener Themen, wie z. B. die Rassenpolitik, als negativen Aspekt ihres Vermächtnisses empfinden.
(basierend auf 5 Leserbewertungen)
Edith Kermit Roosevelt: Creating the Modern First Lady
Nur wenige First Ladies genießen unter Historikern einen besseren Ruf als Edith Kermit Roosevelt. Aristokratisch und kultiviert, geschmackvoll und diskret, führte sie das Weiße Haus mit sicherer Hand. Ihre Bewunderer sagen, dass sie bei der Erfüllung ihrer Pflichten als Gastgeberin, Mutter und Beraterin ihres Mannes nie nachgelassen hat.
Lewis Goulds bahnbrechende Studie stellt jedoch eine komplexere und interessantere Figur dar als die etwas säkularisierte Heilige, die Edith Roosevelt in der Literatur über die First Ladies geworden ist. Während viele, die sie kannten, sie als inspirierend und liebenswürdig empfanden, erinnerten sich Familienmitglieder auch an eine eher herbe und manchmal garstige Persönlichkeit. Gould blickt unter die Oberfläche ihres Lebens, um das komplizierte Erbe ihrer Amtszeit von 1901 bis 1909 zu untersuchen.
Die Erzählung in diesem Buch enthüllt also viel Neues über Edith Roosevelt. Edith Roosevelt war dem Aktivismus keineswegs abgeneigt, sondern fungierte als prominente Sponsorin bei einer New Yorker Musical-Benefizveranstaltung und mischte sich auch in einen viel beachteten Sorgerechtsstreit ein. Gould schildert ihre Rolle bei der gescheiterten Ehe eines US-Senators, ihre Bemühungen, den von ihr gewünschten Botschafter aus Großbritannien zu bekommen, und die wachsenden Spannungen zwischen ihr und Helen Taft in den Jahren 1908-1909. Ihr Engagement, neben anderen populären Interpreten auch Künstler der klassischen Musik ins Weiße Haus zu bringen, findet die bisher umfassendste Beachtung.
Gould wirft auch einen skeptischen Blick auf den Bereich, in dem Edith Roosevelts Ansehen am größten war: ihre Rolle als Mutter. Er untersucht, wie sie und ihr Mann sich als Eltern verhielten, und widerspricht dem üblichen Urteil, dass mit der Entwicklung des Roosevelt-Nachwuchses alles in Ordnung war. Vor allem aber enthüllt Gould die tiefe Abneigung der First Lady gegenüber Afroamerikanern und deren Platz in der amerikanischen Gesellschaft. Sie war der Meinung, "dass jede Vermischung von Ethnien ein unausweichliches Übel ist". Die Auswirkungen ihrer Bigotterie auf die Rassenpolitik von Theodore Roosevelt müssen nun in jede künftige Diskussion über dieses sensible Thema einfließen.
Alles in allem stellt Gould fest, dass Edith Roosevelt eine wichtige und kreative Rolle bei der Entwicklung der Institution der First Lady im zwanzigsten Jahrhundert spielte. Seine lebhafte Nacherzählung ihrer Jahre im Weißen Haus wird wahrscheinlich Kontroversen und Debatten auslösen. Alle, die sich für die Entwicklung der Rolle der Präsidentengattin interessieren, finden in diesem anregenden Buch einen wichtigen Beitrag zur Literatur über einen faszinierenden Präsidenten. Es erweckt auch eine First Lady zum Leben, deren Vermächtnis heute in einem differenzierteren und anspruchsvolleren Licht gesehen werden muss.