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Helen Taft: Our Musical First Lady
In dieser faszinierenden Studie hat Lewis L. Gould eine schattenhafte First Lady ins Licht gerückt und ihr den ihr zustehenden Platz als Mäzenin der Musik zurückgegeben. Helen Herron Taft kam mit der Absicht ins Weiße Haus, Washington, D. C., als Kulturhauptstadt der Nation zu etablieren. Ein Schlaganfall im Mai 1909 machte sie halbseitig invalide, beeinträchtigte ihre Sprache und brachte ihre Pläne durcheinander. Historiker haben sie als spitzbübische Figur abgeschrieben, die ihren korpulenten Ehemann in die Präsidentschaft drängte.
Gould stellt diese überholte Darstellung in Frage, indem er neue Informationen über Helen Tafts Kampagne liefert, in den vier Jahren ihrer Amtszeit das Beste der klassischen Musik ins Weiße Haus zu bringen. Er stützt sich auf umfangreiche Recherchen zu den Musikern, die dort auftraten - darunter der Geiger Fritz Kreisler, die Pianistin Fannie Bloomfield-Zeisler und die Altistin Ernestine Schumann-Heink - und enthüllt zum ersten Mal, wie Nellie Taft eine Vielzahl von Spitzenkünstlern für ihre Musicals, Liederabende und gesellschaftlichen Veranstaltungen verpflichtete. Das Ergebnis ist ein wichtiger Beitrag zu einem besseren Verständnis des Weißen Hauses als kulturelles Zentrum um die Jahrhundertwende.
Abgesehen von ihrer musikalischen Agenda hat Helen Taft das Erscheinungsbild Washingtons mit der Pflanzung der Kirschbäume aus Japan verbessert, die nun jeden Frühling blühen. Gould gibt auch einen Einblick in die Rolle von Mrs. Taft in der Politik der Regierung ihres Mannes. Er liefert die umfassendste Darstellung ihrer Rolle bei der Entlassung von Henry White als Botschafter in Frankreich, einem Schlüsselmoment für die Entstehung des Zerwürfnisses zwischen ihrem Mann und Theodore Roosevelt. Er erörtert die Art ihres Schlaganfalls anhand von Briefen ihres Mannes und ihrer Ärzte und enthüllt, wie Mrs. Taft, ihre Tochter Helen und die Journalistin Eleanor Egan die ersten Memoiren einer First Lady überhaupt verfassten. Anhand von Memoiren und Manuskripten, die bisher nicht verwendet wurden, stellt Gould denkwürdige Ereignisse im Weißen Haus der Taft-Familie nach, als die Dramatikerin Ruth Draper ihre Monologe hielt, Charles Coburn Shakespeare auf dem Rasen des Weißen Hauses inszenierte und Lady Augusta Gregory von den Irish Players vorbeischaute.
Goulds bahnbrechende Studie über Helen Taft ist eine wichtige Ergänzung der Literatur über die First Ladies und eine Hommage an eine komplexe und mutige Frau, die Krankheit und Widrigkeiten überwand und der Geschichte des Weißen Hauses ihren ganz eigenen Stempel aufdrückte.