
Im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte haben sowohl die historische Rekonstruktion der Eisenzeit in Israel und Juda als auch die literarhistorische Rekonstruktion der Samuelbücher einen starken Wandel erfahren. Bei der Suche nach dem „historischen David“ wurden Begriffe wie „Reich“ oder „Großreich“ zugunsten von Bezeichnungen wie „Söldner“ oder „Hapiru-Führer“ aufgegeben, die dem Bild des Sohnes Isais in I Sam entsprechen.
Zugleich ist die literaturgeschichtliche Einordnung dieser Kapitel selbst Gegenstand erheblicher Diskussionen geworden. Da Leonhard Rosts Theorie einer Quelle, die eine „Geschichte des Aufstiegs Davids“ enthält, immer mehr an Unterstützung verliert, muss die Frage erneut gestellt werden: Haben wir es mit einer einst eigenständigen „Davidsgeschichte“ zu tun, die sowohl die HDR als auch die „Nachfolgeerzählung“ umfasst, sind mehrere eigenständige Versionen einer HDR zu erkennen, oder bilden I Sam 16-II Sam 5* eine redaktionelle Brücke zwischen älteren Überlieferungen über Saul einerseits und David andererseits? In beiden Fällen stellt sich die Frage, welche Teile des Materials in I Sam 16-II Sam 5 auf antiken Überlieferungen beruhen und daher als Quelle für eine vorläufige historische Rekonstruktion dienen können.
Die Teilnehmer des Jenaer Symposiums 2018, deren Aufsätze in diesem Band versammelt sind, gehen diesen Fragen aus unterschiedlichen redaktionskritischen und archäologischen Perspektiven nach. Gemeinsam geben sie einen Überblick über die zeitgenössische historische Forschung zum ersten Buch Samuel.