
Auf der Grundlage von zwei internationalen Konferenzen, die 2010 und 2015 an der Cornell University und der Freien Universität Berlin stattfanden, befasst sich dieser Band erstmals explizit mit der Zerstörung von Gipsabguss-Sammlungen antiker mediterraner und westlicher Skulpturen. Mit Fokus auf Europa, Amerika und Japan diskutieren Kunsthistoriker, Archäologen und ein Literaturwissenschaftler, wie unterschiedliche museale und akademische Traditionen - nationale wie disziplinäre -, Wert- und Authentizitätsvorstellungen oder der Kolonialismus das Schicksal der Sammlungen beeinflussten.
Die Texte dokumentieren detailliert den Grad der Zerstörung durch spektakuläre Akte der Verunstaltung, des Abrisses, des Wegwerfens oder der Vernachlässigung. Sie beleuchten auch die begleitenden Diskurse über ästhetische Ideale, politische Ideologien, Bildungs- und Wissenschaftspraktiken oder Ethnien.
Da die Zerstörung als kritischer Teil der Rezeption verstanden wird, widersetzt sich die Geschichte der Abguss-Sammlungen der traditionellen, homogenen Erzählung von Aufstieg und Niedergang. Ihre unterschiedlichen Geschichten liefern kritische Anhaltspunkte für ein Überdenken der Nutzung und Ausstellung von Gipsabguss-Sammlungen in der Gegenwart.