
History and Drama
Trotz Aristoteles' sauberer Unterteilung (Poetik, Kap. 9) erheben sowohl Historiker als auch Dramatiker Anspruch auf Darstellungen der Vergangenheit - wohl seit der Antike, sicherlich aber seit der Renaissance.
In einer Zeit, in der die Narratologie die Historiographen herausfordert, ihre „Emplotments“ (White) von literarischen Erfindungen zu unterscheiden, wirft diese Sammlung von dreizehn Aufsätzen einen neuen Blick auf die Produktion von historisch-politischem Wissen in der Literatur und auf die Feinheiten von Realität und Fiktion. Die Beiträge von Experten, die in Deutschland, Österreich, Russland und den Vereinigten Staaten lehren, bieten eine gründliche Interpretation des frühneuzeitlichen Dramas (mit Blick auf die Klassik und das 19.
Jahrhundert) als ideologische Plattform, die für königliche Selbstgestaltung und Soteriologie ebenso offen ist wie für die Travestie und Subversion von Mitteln und Zielen der historischen Interpretation. Die vergleichende Analyse metapoetischer und historiosophischer Aspekte wirft auch ein Licht auf das Drama als transnationales Phänomen und zeigt die Bedeutung des kulturellen Netzes, das die vielfältigen Textbeispiele aus Frankreich, Russland, England, Italien und den Niederlanden verbindet.