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Goethe's Faust in the Light of Anthroposophy: Volume Two of Spiritual-Scientific Commentaries on Goethe's Faust (Cw 273)
Ende 1916 war Rudolf Steiner zu einem bedeutenden Goethe-Interpreten geworden und erörterte den Faust - Goethes wohl größtes Werk - häufig aus der Perspektive der anthroposophischen Geisteswissenschaft. Obwohl Steiners Lektüre unkonventionell und unsystematisch ist, sind seine Einsichten in den Text durchdringend und vorausschauend und eröffnen wissenschaftliche Wege, die von anderen erst Jahrzehnte später entdeckt oder verfolgt wurden und in einigen Fällen noch auf eine ausführlichere Ausarbeitung warten.
Steiners Darstellung unterscheidet sich völlig von der seiner Zeitgenossen, einschließlich der Goethe-Forscher, die er am meisten bewunderte. Sein Ansatz ist keine philologische Konstruktion des idealen Textes, keine positivistische Darstellung der biographischen Genese des Werkes oder der Einflüsse auf Goethe, keine intellektuelle und historische Neufassung des Dramas als implizites philosophisches Argument oder eine Betrachtung der Erzählung durch die Linse einer besonders verfeinerten Sensibilität. Steiners Erörterungen bewegen sich in jedem dieser Bereiche, aber er kehrt immer wieder zu seinem ursprünglichen Kurs zurück, indem er die am wenigsten realistischen, am wenigsten historischen und am wenigsten romantischen Aspekte Goethes hervorhebt.
Steiner hat die Faust-Forschung vor allem durch die Eröffnung neuer ästhetischer Perspektiven bereichert.
Durch die Offenlegung der zentralen Rolle der griechischen Mysterienreligion im archetypischen Unbewussten des Faust.
Durch das Aufzeigen der Dualität des Bösen, die in Goethes Text steckt.
Und indem er eine alchemistische Transformation des Bewusstseins erforscht.
In diesem Band nimmt Steiner das Beste von Goethes Faust vorweg, indem er uns hilft, den neuplatonischen Faust, den hermetischen Faust, den archetypischen Faust - kurz, den esoterischen Faust - zu sehen.